Saturdays for Future

[Samstag]

Noch drei Tage... Heute vormittag habe ich mal mit Koffer packen angefangen. Erstmal habe ich einen Koffer mit allen Dingen gefüllt, die ich definitiv bis zu meiner Ankunft in München nicht mehr benötige. Den ganzen Rest habe ich wild in die Reisetasche gestopft. Zu meiner Überraschung ging es sich volumen- und gewichtsmäßig mühelos aus. Ich hatte nur vierzig Kilogramm, und wenn ich mich recht entsinne, war ich ursprünglich mal mit 44 kg angekommen. Ich habe viel drüber nachgedacht, was ich vergessen haben könnte, aber es ergibt schon Sinn so. Ich habe ja bewusst Dinge eingepackt, die man verbraucht, sowas wie Spekulatius, Tee und Taschentücher. Auch zwei Flaschen Duschgel und Shampoo wogen mal mehr, und außerdem trage ich zwei Jeans zu Grabe. Das passt wirklich super, quasi fast kaputte Dinge mitzunehmen und sie dann hier zu entsorgen. Auch wenn das bei Unterwäsche nicht ganz so sehr ins Gewicht fällt. Und zu guter Letzt habe ich auch wenig eingekauft, immer mit dem Hintergedanken, dass alles transportiert werden muss. Jetzt kann ich also sechs Kilo Mitbringsel erwerben :) Die Rechnung stimmt gar nicht, da mein Freund ja noch ein zweites Gepäckstück aufgeben könnte, also hab ich nochmal 23 kg extra, die wohl eher volumenmäßig begrenzt sind, weil ich nur eine kleine Reisetasche als weiteres Gepäckstück habe. Jedenfalls ist es ziemlich entspannt. 

Der Mainzer hatte mich spontan zum Mittagessen bei sich eingeladen, sodass ich noch ein Stündchen mit ihm ratschte und seinen frittierten Reis klaute. Um halb zwei radelte ich dann los, um mein Fahrrad zu verkaufen. Ich ging zu dem Laden, wo ich es auch gekauft hatte. Der Prozess war unkompliziert und zügig. Der Preis ist jetzt nicht üppig, aber meine Erwartungen waren auch nicht hoch. Ich habe 40% des Kaufpreises bekommen. Wenn man die Kosten berücksichtigt, die ich für den Bus gezahlt hätte, geht es sich ungefähr Null-Null aus. Im Endeffekt habe ich mir ein Rad gekauft, weil es Freiheit und Flexibilität gibt, und das war gut so. 

Ich schaute noch beim Supermarkt vorbei, um ein paar Lebensmittel zu erwerben, die in den Koffer wandern. Es ist halt noch drei Wochen hin, bis sie in Deutschland ankommen, und dem entsprechend muss ich mit Haltbarkeitsdaten noch vorsichtig sein. 

Zurück nahm ich den Bus, dann hatte ich eine halbe Stunde Pause, bevor ich wieder los musste. Über den Mainzer war ich zu einem Essen eingeladen worden, wobei ich nicht wirklich wusste, mit wem, wo und warum. Die einzige Info waren zwei mir unbekannte Namen und das Thema Umweltschutz. Sie hatten sich ursprünglich schlicht in der Mensa treffen wollen, was dem Mainzer und mir seltsam vorkam, wenn man sich schon zwei Wochen vorher extra verabredet. Ich hatte über Google Maps ein Restaurant in Fußentfernung herausgesucht, das Bowls verkaufte. Das schien mir dem Anlass entsprechender, und ich hatte die leise Hoffnung, dass es möglicherweise etwas Vegetarisches geben könnte. Und meine Hoffnung wurde nicht enttäuscht! Ich aß eine Buddha-Bowl, die wunderbar bunt anzusehen war, sehr lecker war und dank Tofu und Edamame auch gesund war und satt machte. Endlich mal ein echtes vegetarisches Essen. Nicht ganz günstig, aber das Etablissement ist neu und stylisch. Es war nicht viel los, und wir konnte gemütlich fünf Stunden dort sitzen. 


Die beiden Unbekannten waren mir nur teilweise unbekannt, die Japanerin hatte ich schon einige Male bei der Coffee Hour gesehen. Der Japaner wohnt nicht bei uns im Wohnheim. Beide interessieren sich sehr für Umweltschutz und sind engagiert bei Fridays For Future Fukuoka. Das ist ziemlich erstaunlich, weil ich Japan als sehr unpolitisches Land kenne. Über Politik reden scheint mir schon eher unüblich, und aktives Engagement ist rar. Die beiden erzählten, dass sie stolz sind, wenn bei FFF-Märschen in Fukuoka um die Hundert Leute mitgehen, denn das ist für Japan schon eine hohe Zahl. Protest passt einfach nicht so recht in die Kultur von Harmonie.

Der Japaner war sogar im Dezember bei der COP28 gewesen, also der Klimakonferenz in Dubai. Es war spannend, diese Berichte zu hören, und wir diskutierten viel über die individuelle Umsetzung von Klimaschutz. Ich sehe wieder einmal die Tendenz, dass die beiden Klimaschutz sehr viel gesellschaftlich-politischer denken, wohingegen sich meine Gedanken oftmals um die individuellen Möglichkeiten drehen. Natürlich teile ich die Ansicht, dass sich nur mit politischer Regulierung wirklich etwas erreichen lässt, aber ich bin da in Deutschland etwas resigniert, was die Intensität und das Tempo angeht, und da ich da nicht viel Einfluss auf meiner Seite sehe, denke ich im Alltag eher über Dinge nach, die in meiner Reichweite sind. So etwas wie Mülltrennung. Es stellte sich heraus, dass der Japaner auch Mitglied des Kompostierclubs ist, wo ich immer meinen Biomüll abgegeben habe. Auch über vegetarisches Essen sprachen wir viel. Ich denke, für uns ist es wichtig, die Nachfrage nach vegetarischem Essen zu fördern, auch wenn es manchmal anstrengend ist in Japan. Es kann aber auch witzig sein, zum Beispiel zu McDonalds zu gehen, die Speisekarte zu betrachten und dann mit dem Kommentar, dass es hier nichts Vegetarisches gibt, einfach wieder rauszuspazieren. Wie viel Effekt das hat, sei mal dahingestellt.

Lustigerweise lernen beide Deutsch, teilweise aus Interesse an klassischer Musik, teilweise aus Interesse am deutschen Umweltschutz. Die Japanerin wird ein Auslandsjahr in den Niederlanden machen, und ich hoffe, sie besucht mich dann auch in München.

Wir saßen wirklich lange dort, später bestellten wir noch ein wenig Karottenkuchen als Nachtisch. Es war schon eine für Japan ziemlich untypische Versammlung, die wir da abhielten. Ich habe den Abend sehr genossen. 



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