Mehr Züge und huch - das neue Jahr ist ja schon da
[31.12.]
Heute fuhren wir wieder mit dem Seishun Ticket. Der erste Umstieg war in Iwakuni, wo wir 45 Minuten warten mussten, also gingen wir eine kleine Runde spazieren.
Der nächste Zug fuhr dreieinhalb Stunden bis nach Shimonoseki, was der letzte Zipfel der Präfektur Yamaguchi bzw. der Insel Honshu ist, also direkt bevor man nach Kyushu kommt. Eigentlich wollten wir auf einen Aussichtsturm hoch, aber da wir für Sylvester nicht zu spät zuhause ankommen wollten, beschränkten wir uns auf ein Mittagessen (Udon-Nudeln) und fuhren direkt nach Kitakyushu weiter. Dort stiegen wir dann in den Zug nach Fukuoka.
Es war toll, wieder nach Kyushu zu fahren. Ich hab die Felder und den Wind vermisst. Zwischen Osaka und Hiroshima reiht sich bei der Zugfahrt ein Haus ans nächste, erst in der Präfektur Yamaguchi bekommt man Felder zu sehen, und auf Kyushu dann nochmal mehr. Ich bin durchaus ein Stadtkind und wohne gerne in Städten, aber ich finde es auch wichtig, dass die Häuser irgendwann aufhören und nicht in die nächste Stadt übergehen.
In Gakkentoshi gingen wir rasch etwas einkaufen, dann fuhren wir mit dem Bus zu meinem Wohnheim. Es war kurz nach sieben, als wir dort ankamen. Da meine japanischen Mitbewohnerinnen nicht da sind, konnte ich den Osakaner mit in meine Wohnung nehmen. Wir machten einen Salat sowie Tomate-Mozzerella fertig, dann gingen wir in den Mehrzweckraum. Dort buk einer der Deutschen Pizza, jemand hatte Pizza und Okonomiyaki bestellt und auch sonst fand sich allerlei Essen. Im Fernsehen lief der japanische Sylvester-Gesangswettbewerb, wo ich wie immer 80% der Künstler nicht kannte. Immerhin die ganz wichtigen Charts kenne ich. Ein paar Chinesen waren da, die quasi jedes Lied mitsangen. Wir waren so etwa ein Dutzend Leute. Man unterhielt sich, und wir spielten eine Runde Bohnanza (ein Kartenspiel).
Wenige Minuten vor Mitternacht kam dann der Nachtwächter, empörte sich und schmiss uns raus. Es stellte sich heraus, dass der Verantwortliche hier den Schlüssel um halb zehn hätte zurückbringen müssen und wir gar nicht so lange hätten bleiben dürfen. Also verpassten wir den Jahreswechsel und räumten stattdessen hektisch auf.
Eine Weile standen wir noch draußen vor der Shiiki hall. Der Mainzer hatte Mini-Feuerwerk geschenkt bekommen, das er verteilte, also wurden eine Menge Wunderkerzen und ähnliches angezündet. Das hätte schön sein können, aber die Tatsache, dass wir nicht sicher waren, ob wir das auf dem Campus hier anzünden dürfen, hat mich gestresst.
Mir gefiel es deutlich besser, mit dem Osakaner und einem anderen Deutschen dann noch zum nächstgelegenen Schrein fürs Neujahrsgebet zu spazieren. Die Ruhe war sehr wohltuend.
Der Osakaner schwang sich danach auf mein Fahrrad und radelte anderthalb Stunden zu seiner Unterkunft. Im Wohnheim darf und kann er nämlich nicht bleiben und in der Nähe gab es keine bezahlbaren Unterkünfte. Und da es auch keinen öffentlichen Nahverkehr um diese Uhrzeit gibt, blieb ihm nichts als mein Fahrrad. Immerhin war die Strecke wohl schön.
Als alle weg waren und ich alleine zurück ins Wohnheim ging, stellte ich fest, wie stressig das alles gewesen war. Ich blieb erstmal erschöpft und bissl unglücklich in der Lobby sitzen. Wie schön, dass es in Deutschland noch nicht so spät war und ich mir am Telefon bessere Laune und Ruhe holen konnte :) So konnte das neue Jahr dann beginnen!
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