Hindernislauf nach Beppu

[Samstag]

Der Mainzer und ich brachen um zwanzig nach sieben auf, um das Auto von Toyota Rentals am Bahnhof abzuholen. Damit fuhren wir erstmal zurück zum Wohnheim, um die anderen drei einzusammeln, genau genommen die Inderin und zwei andere Deutsche, mit denen ich bisher nicht so viel zu tun hatte. Wir machten uns auf den Weg nach Beppu, aber leider erreichten wir nicht einmal die Autobahn. Dem Mainzer war aufgefallen, dass er seine Brille und die Kontaktlinsen-Aufbewahrung vergessen hatte und überlegte, ob wir umdrehen sollten. Es wurde diskutiert und beschlossen umzukehren, woraufhin ich ihm sagte, er möge dafür jetzt an dieser Kreuzung links abbiegen. Leider interpretierte er mein "left" als rechts, woraufhin ich es instinktiv wiederholte, was ihn dazu veranlasste, aus der mittleren Spur links abzubiegen. Es wirkte surreal, als direkt vor mir der Mofa-Fahrer auf unser Auto prallte. Ehe ich es verarbeitet hatte, war der Mann wieder auf den Beinen und schob sein Mofa von der Straße. Während der Mainzer aus dem Auto sprang, machte ich den Warnblinker an und folgte ihm vorsichtig. Die nächsten Minuten musste ich ihn mehrfach davon abhalten, blind auf die viel befahrene Kreuzung zu laufen. Der Mofa-Fahrer stand genauso unter Schock und sprach kaum ein Wort. Die paar Worte waren durchgehend Englisch, auch wenn ich es auf Japanisch versuchte. Er schien unverletzt. Ein Passant rief die Polizei. 

Während wir im Regen warteten, fing der Mofa-Fahrer dann an, in unser deutsches Gespräch einzusteigen. Es stellte sich heraus, dass er viele Jahre in Zürich gelebt hat. 

Die Polizei kam nach einer Ewigkeit in Form eines einzelnen Motorradfahrers. Wie alle Polizisten, die ich bisher hier getroffen habe, sprach er nur Japanisch, aber ich kam mit dem Übersetzen schon zurecht. Und den Großteil der Erklärungen übernahm der Mofa-Fahrer. Freundlicherweise rief der Polizist auch für mich bei der Autovermietung an und erklärte ihnen, wie es dazu kam, dass jetzt der Kotflügel verformt ist. Bevor wir aber dorthin zurückfahren konnten, mussten wir mit zur Polizeistation, weil er eine Kopie des Führerscheins wollte. Ich glaube, in Wahrheit war das ein Vorwand, um seine Kollegen nach der Interpretation des Führerscheins zu fragen. Er hat noch nie einen deutschen Führerschein gesehen und hat die Klassen nicht verstanden, obwohl bei der Übersetzung eine Erklärung dabei ist. 

Bei der Autovermietung gaben sie uns ohne große Worte direkt ein neues Auto. Wir hatten die vollständige Versicherung abgeschlossen, insofern sollte die Versicherung den Schaden komplett übernehmen. Mit dem neuen Auto fuhren wir erstmal zurück zum Wohnheim, schließlich mussten wir ja die Brille holen. Außerdem war eine Pause auch angebracht. 

Wir fuhren wieder los, aber da wir Hunger hatten und es Zeit fürs Mittagessen war, fuhren wir nur 15 Minuten bis Imajuku, wo wir in ein indisches Restaurant gingen. Dank der Inderin hatten wir die volle Aufmerksamkeit und Zuwendung des Kellners und des Kochs. Es schmeckte vorzüglich. Letztendlich verbrachten wir viel Zeit dort, sodass es schon zwei Uhr war, als wir losfuhren. 

 


Bis Beppu braucht man etwa zweieinhalb Stunden. Ich programmierte direkt ein bekanntes Onsen. Als neue Regelung wurde Amtssprache Deutsch im Cockpit eingeführt. Außerdem versuche ich bewusster kurzfristige Ansagen zu vermeiden und lieber falsch zu fahren. 




Bei dem Nebel gab es ernsthaft Leute, die rechts unbeleuchtet vorbeigefahren sind.

Beppu ist allgemein bekannt für die vielen Thermalquellen, in der Stadt sieht man vielerorts Dampf aufsteigen. Der Schwefelgeruch hat mich sehr glücklich gemacht. Das Onsen, das wir aufsuchten, war sehr angenehm. Als Spezialität ist dort der Schlamm in dem großen Außenbecken bekannt, mit dem man sich einreiben kann. Es regnete mal wieder, während wir dort waren, was durchaus stimmungsvoll war. Mein Kreislauf hatte irgendwann dann genug, und für meine Beine war es auch nicht gut (durch die im Wasser aufgequollenen Füße bin ich ums Verrecken nicht mehr in die Kompressionsstrümpfe gekommen), also ging ich raus und hielt noch ein fünfzehnminütiges Nickerchen. 

Weitere zwanzig Minuten später kamen wir am Hostel an. Das Hostel (Sunline Guesthouse Beppu) ist echt super cool gewesen. Wir haben etwa 24€ pro Person bezahlt, wofür wir ein Vierer-Zimmer und ein Bett im Schlafsaal bekommen hatten. Das Viererzimmer ist ein Tatami-Raum mit Futons, was ich sehr gemütlich fand. Außerdem hat das Hostel sogar ein Onsen. Alles war sehr sauber und modern eingerichtet. Nur leider war der Parkplatz voll, sodass wir etwas entfernt gegen Gebühr parken mussten. 

Die Aussicht aus unserem Zimmer!

Nachdem wir das Auto losgeworden waren, spazierten wir durch eine Einkaufsstraße und suchten uns etwas zu essen. An sich ist hier Seafood sehr bekannt, aber darauf war niemand von uns sonderlich scharf. Stattdessen gingen wir Udon essen, das war sehr lecker. Leider gab es keine warme vegetarische Option, aber die bisher immer vegetarische Inderin hat in den letzten Wochen angefangen, trotzdem manche Gerichte zu probieren, also arrangierte sie sich mit der fischhaltigen Brühe. 

Ich habe Udon-Suppe mit Gobou-Tenpura bestellt.

Nach dem Essen gab es etwas Kommunikationsschwierigkeiten bezüglich des Verlaufs des weiteren Abends, aber letztendlich einigten wir uns darauf erstmal einen Nachtisch im Konbini zu holen, diesen im Hostelzimmer gemütlich zu essen und eine Runde etwas zu spielen. Ganz so locker, wie ich mir das vorgestellt hatte, wurde die Stimmung nicht. Während der Mainzer, die Inderin und ich uns schlafen legten, gingen die anderen zwei nochmal raus, um sich eine Bar zu suchen. Ich war viel zu müde für sowas. Der Tag war deutlich anstrengender gewesen als gedacht.

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