Es läuft vielleicht, vielleicht auch nicht - aber doch?

[Dienstag]

Heute war hoffentlich der letzte große Synthesetag. Ich war ziemlich genau zehn Stunden im Labor, minus 45 Minuten Mittagspause. Ich hoffe sehr, dass das Ergebnis dem entspricht, was ich erwarte. Schon am Anfang haben sich zwei komplett gleich aufgebaute Reaktionen unterschiedlich verhalten, die eine Lösung war hellblau, die andere schwarz. Da war ich schon sehr verunsichert, aber ich habe einfach mal weiter gemacht, weil mir Farbunterschiede bei der Herstellung von Kupferwürfeln schon häufiger aufgefallen sind. Dann fiel irgendwann mitten im Temperaturprogramm der Heizmantel aus, was ich glücklicherweise recht früh bemerkte. Trotzdem hat die Kurve einen wilden, unerwarteten Knick. Ich hoffe es hat keine Auswirkungen auf die Morphologie. 

 

Ich hab bei beiden genau das Gleiche gemacht! Chemie ist manchmal so random...

Danach gings etwas ruhiger zu. Bei dem Teil, wo ich Ceria an die Kupferwürfel baue, habe ich nur eine Sache im Vergleich zum Letzten Mal verändert und bin nervös, ob das klug war. Ich habe unter Argon statt unter Luft gearbeitet, um den Anteil an Kupferoxid, den ich das letzte Mal erhalten habe, zu verringern. Gleichzeitig brauche ich ja aber einen Anteil an Sauerstoff, um Ceroxid zu bilden... Naja, das Ergebnis sieht zum optisch aus wie zuvor. Da muss ich das XRD und SEM-EDS abwarten, um Informationen über Struktur und elementare Zusammensetzung zu erhalten. 

Ansonsten habe ich zwischendurch noch das STEM-Sample für übermorgen vorbereitet. Daran ist eigentlich nichts besonderes, weil es fast genauso funktioniert wie die Probenvorbereitung für TEM. Ich verwende statt Kupfer- nun ein Molybdän-Gitter und muss darauf achten, dass die Probe auf der Vorderseite des Gitters landet. Bei TEM ist das egal. Irgendwie bin ich ziemlich aufgeregt auf die Messung. Es ist wohl die teuerste Messung, die jemals von einer meiner Proben gemacht wurde. Ne, stimmt nicht, nach meiner Bachelorarbeit hat meine Betreuerin eine Probe von mir nach London ans Diamond-Synchrotron mitgenommen. 

Irgendwie finde ich heute den Müll für schwermetall-haltige Abfälle besonders hübsch.

Um viertel vor sieben ging ich heim. Ich aß nur eine Kleinigkeit, weil ich dann um halb neun bei der Inderin zum Essen eingeladen war. Das war absolut wunderbar, sowohl vom Essen her, wie auch von der Gesellschaft. Wir haben erschrocken festgestellt, dass wir uns dieses Jahr noch gar nicht gesehen hatten und die Zeit wie im Fluge vergangen ist. Es war sehr spannend, ihre Reisegeschichten anzuhören. Das klare Highlight war ganz klar ihre Beschreibung, wie sie an Neujahr dachte, einen ganz seltsamen Kater zu haben, bis man ihr mitteilte, dass das ein Erdbeben war (sie war da in Tokyo).

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Gurke am Stiel

Seattle's best coffee

Experimente - heute im anderen Labor