Der Drache grollt
[1.1.] - da fehlen noch Kamerafotos
Nach sechs Stunden Schlaf war ich wieder wach und räumte erstmal auf, schließlich hatte ich noch keine Zeit gehabt, meine Sachen von der Reise auszupacken. Gegen elf kam der Osakaner dann wieder zu mir geradelt und wir kochten gemütlich.
An Neujahr wird in Japan o-sechi gegessen, was eine Zusammenstellung an Speisen ist, wo jede ihre eigene Bedeutung hat. Schwarze Bohnen (kuromame) bewirken Fleiß (mamemameshii), Garnelen ein langes, gesundes Leben, Lotuswurzel für gute Voraussicht,... Wir haben uns weniger an die typischen Speisen gehalten, nur die schwarzen Bohnen haben ihren Einzug bei uns gehalten.
Während der Osakaner einen Spaziergang auf dem Campus unternahm, legte ich mich eine halbe Stunde hin, weil ich nicht nur müde, sondern auch sozial erschöpft war.
Wir spazierten nach Gakkentoshi, und als wir ankamen, häuften sich auf unseren Handys Nachrichten. Meine NHK World App kriegt sich überhaupt nicht mehr ein mit Push-Warnmeldungen. In der Wohnheimsgruppe hat einer der Dorm leader alle angewiesen, sich von den Küsten fernzuhalten. In der Chorgruppe des Osakaners wurde von jedem einzelnen abgefragt, ob es ihm gut ginge. In der folgenden Zeit kamen immer mehr derartige Nachrichten. Das Erdbeben der Stärke 7.6 in der Präfektur Ishikawa war sogar in Osaka noch zu spüren gewesen. Quasi die komplette Nordwestküste Japans hatte Tsunami-Warnungen erhalten, wobei Nordkyushu nur gelb war, also etwa 1m Höhe erwartete. Außerdem herrschte hier gerade eher Ebbe, was es weniger bedrohlich machte. Letztendlich fielen die Wellen auch geringer als befürchtet.
Wir fuhren nach Fukuoka, wo wir einen Schrein besichtigten und spazieren gingen. Fukuoka hat einfach nicht wirklich nennenswerte Sehenswürdigkeiten, die ich herzeigen könnte. Unter anderem gingen wir durch das Shoppingszentrum Canal City, wo regelmäßig die Wasserspiele stattfinden. Momentan gibt es offenbar eine Kollaboration mit einem Anime, sodass die Fontänen und Lichter passend zu projizierten Bildern sind. Abgesehen davon, dass ich keine Ahnung habe, worum es da geht und ich generell nicht viel mit Roboterschlachten anfangen kann, fand ich die Bilder von zerstörten Städten und Riesenwellen heute ziemlich unpassend.
Zum Abendessen wollten wir eigentlich Indisch essen, aber das angestrebte Restaurant war geschlossen, weshalb wir letztendlich bei Gusto landeten. Das ist eine recht häufige Kette, Typus Familienrestaurant. Man kann dort sehr günstig essen und wird von Robotern bedient, das ist ganz witzig. Ich bin in dem ganzen Laden keinem einzigen Angestellten begegnet.
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| Die Mais-Mayo-Pizza war echt super lecker! |
Während der Osakaner in Fukuoka in einem Kapselhotel blieb, fuhr ich wieder eine Stunde heim. Das ist schon nervig, so weit draußen zu wohnen.
Die ganze Zeit über habe ich im Rhythmus von fünf bis zwanzig Minuten neue Erdbebenmeldungen erhalten, weshalb meine Gedanken sehr viel bei den Menschen in Ishikawa waren. Es ist nicht viel über die Schäden bekannt, aber allein die Vorstellung, dass all die Menschen heute in Zelten oder draußen oder sonst irgendwie in Angst schlafen müssen, besorgt mich.



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