厄日?
[Freitag]
Heute war endlich ich dran mit STEM-EDS messen, und das gleich mit einer Doppelschicht, also 10-18:30. Also ging ich zu um neun ins Büro. Da ich keine frühstückbaren Lebensmittel mehr hatte, ging ich am Konbini vorbei, wo ich lange überlegte, welche dieser viel zu zuckrigen Sachen ich jetzt kaufen sollte. Es ist echt schlimm. Beim 7-eleven holte ich mir ein Nuss-Karamel-Brot aus der teuren "Cycle me" Reihe, die etwas weniger süß ist, und eine warme Sesam-Rote-Bohnen-Paste-ähm... Teigdings... Ja eine Goma-an-man halt. Beim nächsten Konbini, dem Lawson, holte ich mir dann einen Kaffee, weil der näher am Labor ist, und weil ich da neuerdings das Coupon-Spiel mitmache. Jedes Mal, wenn ich mir dort einen Kaffee kaufe, bekomme ich einen 20-Yen-Coupon für den nächsten.
Um halb zehn kam der Co-Prof ins Büro. Ich wunderte mich, ob wir jetzt schon loswollten, aber das Gegenteil war der Fall. Meine Messzeit war gestrichen worden. Offenbar gab es Steuerungsprobleme am Mikroskop und somit konnte heute nix gemessen werden. Eventuell bekomme ich nächste Woche noch eine Chance, aber die limitierenden Faktoren sind die Anwesenheit vom Co-Prof (der de facto derjenige ist, der misst, nicht ich) und der bereits gut ausgebuchte Plan des Mikroskops. Mein halbes Labor wird nächste Woche auf einer Konferenz und auf Messzeit am Synchrotron unterwegs sein. Ich bin gespannt, ob ich meine Bilder noch bekomme...
Um kurz nach zehn ging ich zum Japanisch, wo heute die Abschlussreferate gehalten wurden. Die Qualität und Quantität der Vorträge war sehr inhomogen. Die meisten hatten sich für das Thema Neujahrsessen entschieden, manche hatten das Thema weitergefasst als "Besonderes Essen meiner Heimat" interpretiert, sodass wir zweimal über chinesisches Neujahrsessen, einmal über ägyptische Süßigkeiten und einmal über belgisches Essen Vorträge zu hören bekamen. Ein weiterer Chinese ignorierte die Themenvorgabe komplett und erzählte über eine chinesische Band namens "Chinese Football". Mein besonderes Highlight des Vortrags war ein Tourplakat, laut dessen die Band auch auf einem Fest namens "Giesing is a feeling" in München aufgetreten ist, und auf dem Bremen fälschlicherweise als "Beremen" geschrieben worden war. Der vierte Chinese hatte gar nichts vorbereitet (die Vorgabe waren 3-4 Folien Powerpoint gewesen), am Anfang dachte ich, er würde auch über chinesisches Neujahrsessen reden, aber dann entschied er sich eher für die Frage, ob man ausländische Sitten übernehmen darf und gestaltete das Ganze eher als Diskussion mit dem Publikum als als Vortrag. Der Dominikaner sprach über Obdachlosigkeit in Japan, wobei er auch irgendwas in die Richtung studiert.
Ich hatte mich mit meinem Vortrag penibel an die Vorgaben gehalten und komme mir sehr deutsch dabei vor. Nachdem ich nicht über deutsches Neujahrsessen reden wollte (aka nicht konnte weil nicht existent, aber Raclette wäre wohl schon noch gegangen), habe ich mich für das Thema meines ersten Aufsatzes entschieden, bei dem ich über die kulturell unterschiedliche Einstellung zum Stromverbrauch von Klimaanlagen lamentierte. Das ganze habe ich jetzt in die Teile "Strompreise weltweit" und "CO2-Ausstoß weltweit" und "private vs. von der Regierung ausgehende Maßnahmen zur CO2-Ausstoßsenkung" gegliedert. Es war einer der längsten Vorträge.
Nach zwei Stunden waren wir fertig und ich ging zurück ins Labor, wo ich meine mitgebrachte Suppe aß und pünktlich zum Wochenputz antrat. Der bestand für mich diesmal aus Staubsaugen. Ein bisschen vermisse ich unseren Staubsauger zuhause, die hier sind alle nicht so effektiv.
Am Nachmittag arbeitete ich dann am Bericht, wobei ich gefühlt die komplette Zeit rätselte, wie ich drei Graphen und ihre gemeinsame Legende anordnen sollte. Also nur so mäßig produktiv. Momentan hat das pdf übrigens 45 Seiten.
Zwischendurch verabschiedete ich mich noch von dem Computer, den ich dort benutze. Er hat keine Lust mehr, sich mit dem Internet zu verbinden (ist eine Kabelverbindung). Also habe ich meine aktuellen Versionen vom Bericht, dem Origin-Projekt und allen Daten per USB-Stick aufs Tablet transferiert, die älteren Cloud-Versionen dort überschrieben und weitergearbeitet. Ich fürchte für eine Woche will sich niemand mehr ein Bein ausreißen, das PC-Problem zu beheben. Ist okay, nur ist der kleine Bildschirm vom Tablet nicht gerade optimal für Visual Studio Code und Origin. Mein Tablet mit dem PC-Bildschirm verbinden geht ja nicht, weil niemand in diesem Büro mit HDMI arbeitet und ich keinen Adapter auf VGA habe.
Der Post-Doc rechts von mir brachte mir das Wort "yaku-bi" bei. Unglückstag. Ich stimme ihm zu, dass ein kaputtes Elektronenmikroskop und ein kaputter Computer doof sind, aber zumindest lief alles andere heute ganz gut.
Um sechs ging ich heim. Ich kochte (Lotuswurzel-Gemüse mit Tofu auf Udon-Nudeln) und duschte, dann hatte ich wieder genug Energie, um zur Coffee Hour zu gehen. Dort traf ich eine Studentin aus Sri Lanka, mit der ich mich schon manchmal lose unterhalten habe, und wir führten ein sehr interessantes anderthalbstündiges Gespräch, in das später noch eine Chinesin einstieg. Wir waren die einzigen dort, die Bock auf gemütliches Ratschen hatten, die restlichen Anwesenden spielten erst an der Switch, dann Tischtennis und schließlich Karten. Unser Gespräch mündete schließlich in einer Einladung zum Essen bei ihr morgen abend, worauf ich mich schon sehr freue.
Zurück in meinem Zimmer vertelefonierte ich den Abend, und um Mitternacht hatte ich keine Lust mehr einen Post zu schreiben :)
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