Wessen Tag war heute? Meiner jedenfalls nicht.

[Freitag]

Eigentlich wollte ich ja heute gleich ins Labor stürzen, aber der Kalender hat mir gestern abend noch rechtzeitig verraten, dass da erstmal Seminar stattfinden würde. Auf die Festkörpervorlesung hatte ich ja gar keine Lust! Da habe ich beschlossen, das dezent zu schwänzen, weil ich ja dann eh zum Japanischunterricht müsste. Stattdessen schlief ich etwas länger (über neun Stunden) und machte mir einen entspannten Morgen, an dem ich die Vokabeln für Japanisch noch wiederholte. Außerdem konnte ich so noch vor dem Unterricht bei der Campusklinik vorbeischauen, um zwei Fragen loszuwerden. 

Dumm nur, dass ich vor der Klinik dann feststellte, dass ich nicht nur das Case für meine Kopfhörer, sondern auch eine Maske vergessen hatte, und deshalb nicht eintreten konnte. Gut, dass wenigstens der Kopf angewachsen ist, dachte ich mir, und ging zum konbini, um schon mal mein Mittagessen zu kaufen. 

Vorm Unterricht wurde ein vergangener Vokabeltest ausgeteilt, der mich ziemlich runterzog, weil ich feststellen musste, dass ich nur 6 von 10 Punkten bekommen hatte, weil ich zu blöd gewesen war, alle Aufgaben zu beantworten. Ich hatte übersehen, dass man nicht nur Verben auf die Linien schreiben müsste, sondern auch die dazugehörigen Partikel in die davor stehenden leeren Klammern. Keine Ahnung was mein Hirn dachte, warum da Klammern sind. So langsam glaube ich, dass ich eine gute Note in diesem Fach vergessen kann. 

Der Unterricht selbst war dann ganz gut. Die Lehrerin fiel aus allen Wolken, als ich als Beispielsatz formulierte, dass die Zahl der Vegetarier in Deutschland zunehme. Sie dachte, da müssen alle aus Prinzip jeden Tag Wurst essen. 

Im Pausenraum vom Labor verspeiste ich dann meine onigiri, bevor ich ins Büro ging. Als erstes eilte ich zur HPLC, um meine Daten einzusammeln, musste dabei allerdings feststellen, dass drei der sechszehn Messungen einen seltsamen Hintergrund haben. Auf Nachfrage erfuhr ich nur "Ja, das passiert manchmal, miss einfach nochmal, aber nicht heute, wir fahren jetzt runter." An diesem Wochenende wird hier nämlich Strom und Wasser zur Wartung abgeschaltet, was für Labore ein ziemlicher Aufwand ist. Für uns geht's noch, weil wir keine Hochvakuume haben, aber was die im Ultramikroskopiezentrum machen, würde mich schon interessieren. Ich finde den Gedanken irgendwie witzig, dass meine armen Kollegen jetzt am Wochenende gar nicht ins Labor gehen können, so wie sie sonst so oft tun. Neulich habe ich Sonntagabends mal einen im Bus getroffen, der dahin fuhr, und auch sonst fällt häufig im Gespräch ganz nebenbei die Info, dass man dieses oder jenes am Samstag oder Sonntag oder Feiertag gemacht habe oder machen würde. 

Ein bisschen genervt von meinen fehlenden HPLC-Daten ging ich erstmal SEM messen. Dann trug ich die vorhandenen Daten in die Excel-Tabellen ein. Einer der beiden Datensätze ist ja vollständig, und er ist gelinde gesagt unbrauchbar schlecht. Stellt euch vor, ich stecke 100 Elektronen in die Reaktion rein. Das kann ich messen. Dann zähle ich die Produkte, die entstehen, und ich weiß ja, wie viele Elektronen ich jeweils brauche, um das aus Kohlenstoffdioxid herzustellen. Das heißt, wenn ich die Produkte richtig zähle, müsste ich wieder auf 100 Elektronen kommen. Bisher bin ich immer so auf 70 bis 80% gekommen. Dieser Datensatz hat 25-55% je nach Potential. Das ist richtig mies, damit kann ich quasi nichts über die Qualität meines Katalysators aussagen. Das einzige, was ich weiß, ist dass mein Messaufbau offenbar fehlerhaft war, dass mir so viele Produkte abhanden gekommen sind. Ich habe eine vage Theorie, aber über die möglichen Ursachen muss ich mal mit dem Co-Prof reden, wenn ich ihn hoffentlich am Montag erwische. 

Die gute Nachricht des Tages war dann, dass ich am Montag doch keinen Vortrag halten muss. Ich hatte schon erwartet, heute bis spät abends daran zu arbeiten und am Sonntag auch wieder. Jetzt sieht das Wochenende besser aus und ich konnte in Ruhe die vorhandenen Daten auswerten und in meine Übersicht eintragen.

Ich war so um sechs zuhause, wo ich erstmal den Reiskocher anstellte, Tee kochte und mich auf mein Bett pflanzte. Ich fühlte mich sehr ausgelaugt. Zwischenzeitlich war mir der Gedanke gekommen, dass heute der perfekte Tag für einen Abend im onsen wäre, aber dann war mir wieder eingefallen, dass ich wie ein frisch geschlachtetes Schwein blute. Also musste die heiße Dusche genügen. Zum Abendessen kochte ich irgendwas, indem ich quasi alle möglichen Reste zusammenwarf. Ich sollte morgen wirklich etwas einkaufen.

Ich öffnete meine Packung Mandelspekulatius. Der Duft, der mir in die Nase stieg, war einmalig schön, und ich lief gleich in die Küche, um meine Freude mit Susi zu teilen (an der Lautstärke der Tür und dem freundlichen Summen erkenne ich immer, wenn sie am Kühlschrank ist). Sie war auch gleich begeistert von den "deutschen Weihnachtskeksen". Zufällig kam auch Julia gerade nach Hause, sodass wir uns zu dritt über die Spekulatius freuen konnten, das hat mich richtig glücklich gemacht. Außerdem habe ich sie nochmal persönlich zu unserer Weihnachtsfeier am 2. Advent eingeladen. Die sonstige Zeit versuchte ich meinen Schreibtisch aufzuräumen.


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