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[Dienstag]

Heute ging ich schon wieder ohne echten Plan ins Labor. Ich beschloss, auf Synthesen zu verzichten und in Ruhe zu planen und am Bericht zu arbeiten. Erstmal holte ich jetzt endlich meine HPLC-Daten und beendete die Auswertung der Katalyse vom Donnerstag. Das Ergebnis ist nicht gerade blendend, grob gesagt liefern die Würfel mit ceria weniger gewünschte Produkte. Das überrascht mich jetzt nicht sehr, ist aber natürlich trotzdem schade. 

Da kommt die Frage auf, was ich jetzt weiter mache. Ich finde, man sollte sich nicht auf nur eine einzige Messung berufen, weshalb ich die gleiche Probe nochmal messen werde, nur mit niedrigerer Beladung. Für den direkten Vergleich werde ich auch die reinen Kupferoxidwürfel mit einer ähnlichen Beladung messen. Diesen Plan servierte ich nach dem Mittagessen dann dem Co-Prof, als ich ihn endlich mal erwischte. So wie ich ihn verstehe, würde er das Kupferoxid-ceria-Projekt gleich ganz sein lassen und sich auf die Kupferwürfel mit ceria stürzen, aber er war auch leicht von meinem Plan zu überzeugen. 

Insofern begab ich mich ins Labor, um mal wieder einen Kat auf eine Gasdiffusionsschicht zu sprühen. Ich bereitete alles vor und wollte nur kurz mit Ethanol einmal spülen, als ich feststellte, dass die Düse verstopft war. Ich probierte erst selber rum, fragte dann die Technikerin, die dann den anderen Techniker dazuholte, und zu dritt kamen wir an diesem Nachmittag dann zu dem Schluss, dass die Düse nicht mehr zu retten ist. Es gibt noch eine weitere Düse für Kupfer-basierte Katalysatoren, aber die war vorher in Verwendung gewesen und auch nur mangelhaft gereinigt worden. Mit dem Techniker hatte ich vorher noch nie genug Worte gewechselt, um seinen Akzent zu bemerken, denn er ist eigentlich Chinese, aber er war sehr nett und gab mir letztendlich eine Düse für Iridium-Katalysatoren, die ich auch für meinen Kat verwenden durfte. Damit gelang es mir, meine Probe aufzusprühen, und danach verbrachte ich viel Zeit mit gründlichem Putzen der drei Düsen, wobei die tote tot blieb und die anderen beiden auch nicht gerade perfekt wurden. 

Um kurz nach fünf ging ich dann nach Hause, wo ich eine kurze Teepause einlegte. Dann fuhr ich mit dem Fahrrad zu einem großen 100-Yen-Shop, um noch Sachen für unsere Adventsfeier zu kaufen. Das hat Spaß gemacht! Der Laden ist wirklich sehr angenehm. Alles ist sauber, ordentlich, günstig und vor allem dröhnt nirgendwo Musik. Das hasse ich nämlich in vielen Läden, allen voran der Aeon Supermarkt, wo es diese eine schreckliche Werbemelodie gibt, die rauf und runter plärrt und mich sehr aggressiv macht. Japan kann echt anstrengend sein. Wahrscheinlich wird in unserem Labor deswegen so wenig auf Lärmschutz geachtet, weil man bewusst taub werden möchte. 

Okay, ich höre jetzt auf mich über Lärm aufzuregen (hab ich schon mal von den nächtlichen Motorradfahrern geschrieben?). Nach dem 100-Yen shoppen ging ich nach nebenan zu Uniqlo, wo das Sortiment an Heat Tech Wäsche deutlich besser bestückt war als im letzten Uniqlo. Leider stellte ich fest, dass mein Geldbeutel dafür nicht gut bestückt war, sodass ich nur die dringensten Sachen erwarb. Ich versuche nämlich alles mit Bargeld zu bezahlen, um mein Stipendium so zu verwenden. Sonst hab ich nur zweimal Wechselgebühren am Hals. 

Gerade noch rechtzeitig erreichte ich den Friseur, um dort einen Termin auszumachen, danach suchte ich den Geldautomaten meiner Bank in der Aeon Mall auf. Dort spazierte ich durch einige Bereiche, wo ich vorher noch nie war. Da es schon nach acht war und ich Hunger hatte, kam ich auf die Idee, mal den japanischen McDonalds auszukundschaften. Naja, es blieb beim Lesen des Menüs, denn die Optionen sprachen mich überhaupt nicht an. Die Verkäuferin schien irritiert, dass ich wieder umdrehte, also erklärte ich ihr, dass McDonalds in anderen Ländern durchaus das ein oder andere vegetarische Gericht führt und ich hier nichts zu essen finde.

Im Aeon Supermarkt holte ich mir dann einen onigiri für gleich sowie Kartoffel-Kroketten und Tomaten für später. Ich habe ja noch den Mozzerella zuhause. Der übertraf meine (niedrigen) Erwartungen, denn er schmeckt ziemlich genauso wie der deutsche Mozzerella. Cool. 

Stilecht mit Stäbchen gegessen. Und ne, die Kroketten sind nicht vegetarisch.

Jetzt bin ich verdammt müde. Und ne, japanische Grammatik für den Test morgen hat keine Chance mehr.

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