Kling, Glöckchen, kling
[Sonntag]
Nach knapp sechs Stunden Schlaf stand ich gemütlich auf, um mich um acht mit dem Mainzer zu treffen. Gemeinsam liefen wir zum Mietwagen, um dann das Rätsel des Tankens anzugehen. Ohne den Tankwart hätten wir den Tankdeckel wohl erst siebzehn Stunden später aufbekommen und auch nicht gewusst, ob man vor oder nach dem Tanken zahlt. Das Auto wollte gerne reguläres Benzin, und das kostet sagenhafte 169 Yen pro Liter - das ist je nach Wechselkurs etwas über ein Euro! So viel hatten wir auch nicht verbraucht, knapp 18 Liter, insfoern waren die Spritkosten geringer als erwartet.
Dann fuhren wir zum Rückgabe, die in Rekordzeit vonstatten ging. Direkt passend kam dann auch ein Bus, der uns zurück zum Campus fuhr. Wir stiegen allerdings früher aus, um noch beim konbini die roten Mülltüten zu kaufen. Außerdem erwarb ich Tiefkühlpasta für mein Mittagessen.
Die Wohnheims-Managerin sperrte mir bei der Rückkehr den Mehrzweckraum auf und ich holte von oben alle benötigten Sachen, was gefühlt mein halber Hausstand war. Pünktlich um zehn fing ich also mit den Vorbereitungen für die Adventsfeier an. Ich bekam bald Hilfe, wobei die Leute immer wieder kamen und gingen. Der Mainzer half die meiste Zeit mit, und auch der Franzose war eine sehr große Stütze. Außerdem war eine Indonesierin dabei, die fleißig Plätzchen ausstach oder formte, aber gleichzeitig ihre Freunde rief, die auf die Idee kamen, sie könnten ja ein philipinisches Curry beisteuern, sodass gleichzeitig Huhn verarbeitet wurde. Das war irgendwie random, aber von mir aus...
Tatsächlich war ich bis um drei pausenlos beschäftigt. Wir buken drei Sorten Plätzchen (Vanillekipferl, Terrassenplätzchen und Walnussplätzchen), machten gebrannte Mandeln und arrangierten alles. Irgendwann nach zwei tauchte auch tatsächlich der Deutsche mit der Gitarre auf, ich hatte nach mangelnden Antworten gar nicht mehr damit gerechnet. Da gab es dann zwanzig Minuten Mini-Probe, mehr Zeit war nicht. Meine Tiefkühlspaghetti mit Tomaten-Knoblauchsauce warf ich erst in die Mikrowelle, als unten alle versorgt waren.
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| Wir haben drei dieser Tische vorbereitet. |
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| Hat der Franzose sie nicht wunderschön gemacht? |
Es kamen so 25 bis 30 Leute, eine angenehme Zahl. Die Atmosphäre war entspannt und alle scheinen Spaß gehabt zu haben. Die meisten waren allerlei Nicht-Japaner, ich glaube Deutsche waren wir tatsächlich nur sechs. Meine Mitbewohnerinnen Susi und Julia waren gekommen, Michaela meinte sie müsse arbeiten. Für Julia war es schwierig, Gesprächspartner zu finden, weil sie zwar Englisch versteht, aber nicht antworten kann, und nicht viele anwesend waren, die Japanisch sprechen. Mit ihr unterhielt ich mich gegen Ende sehr ausfürhlich, das war sehr verbindend. Mein Lieblings-Dorm-Leader war auch gekommen, er ist Mitbewohner vom Mainzer. Außerdem ein Japaner, dessen Freundin Französin ist und der über Weihnachten unter anderem nach Deutschland reist. Der ist ziemlich cool drauf und ein wunderbarer Gesprächspartner in vielen Sprachen.
Zwischendrin gab es dann unsere musikalische Einlage, die ziemlich freifliegend war, aber gut zur Stimmung passte und uns Freude bereitete. Nach "Leise rieselt der Schnee", "Kling, Glöckchen, kling", "Maria durch ein Dornwald ging" und "Oh Tannenbaum" gab es dann bei "We wish you a merry christmas" etwas mehr Gelegenheit zum Mitsingen für alle.
Die Süßigkeiten kamen gut an, ich glaube die Terrassenplätzchen waren die Favoriten der meisten, aber nur knapp. Wir hatten immer Sorge gehabt, die Plätzchen könnten nicht reichen, aber tatsächlich war am Ende deutlich mehr übrig als erwartet.
Um zwanzig nach sechs fing ich an, die Leute aufzuscheuchen, da ich der Dorm-Managerin versprochen hatte, um sieben alles geputzt zu haben. Das Sitzfleisch der Gäste reichte allerdings auch zur Stehparty noch eine ganze Weile, was das Aufräumen etwas erschwerte. Es fanden sich aber auch einige fleißige Hände, erstaunlicherweise auch meine beiden Mitbewohnerinnen, von denen ich bisher immer dachte, dass "Aufräumen" und "Putzen" ihnen tendenziell unbekannte Tätigkeiten sind. Es hat mich wirklich sehr gefreut, dass die beiden da waren und auch so viel Spaß hatten, das war sehr verbindend. Allgemein bin ich sehr froh wie das Event gelaufen ist und ich habe viel positives Feedback bekommen. Auch für mich war die Adventsstimmung heute sehr deutlich und ich habe mich mal wieder sehr zuhause gefühlt hier im Wohnheim.
Jetzt bin ich echt verdammt müde. Es war ein anstrengendes Wochenende, aber ziemlich cool. Ich hoffe ich finde bald Zeit, die Bilder von Samstag durchzusehen.


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