Gedanken über Essen
[Mittwoch]
Heute hab ich mal nicht die eine Stunde geschwänzt, die ich vor dem Japanischunterricht im Labor verbringen kann. Die hat mir nämlich perfekt gepasst, um mein gestriges Produkt aus den Zentrifugenröhrchen zu kratzen und dann die XRD- und SEM-Proben vorzubereiten. Ich konnte sogar die XRD-Messung noch starten.
Im Japanisch-Unterricht wurde erstmal der Vokabeltest absolviert. Dann gings in die nächste Lektion, wobei wir erstmal den Lektionstext verarbeiteten, indem eine Kanji-Leseübung abgehalten wurde und dann unbekannte Ausdrücke besprochen wurden. Hier waren weniger die Wörter das Problem, als der Inhalt, es ging nämlich um die Bräuche, nach denen an bestimmten Tagen bestimmte Speisen verzehrt werden, und um die kommerziellen Usprünge dieser Traditionen. Auf Seiten der Schülerschaft herrschte da manchmal Verwirrung, warum Aal gegen Sommerhitze helfen soll, oder was eine Glücks-Himmelsrichtung ist.
Während des Unterrichts hatte ich leichten Schwindel verspürt, weshalb mich mein Weg dann schnell zum konbini führte, um etwas Essen in den Kreislauf zu bringen. Unter anderem flüssigen Zucker in Form einer heißen Zitrone. Bei meiner Essensauswahl hatte ich die Erkenntnis, dass ich die Essensauswahl langsam leid bin. Wenn man versucht, Fleisch und Fisch zu vermeiden (auch, weil es mir vieles davon nicht so wirklich schmeckt), bleibt nicht allzu viel übrig. Ich esse meistens einmal die Woche Dan-Dan-Ramen (da ist nur ein bisschen Hackfleisch drin), einmal das wirklich vegetarische Keema-Curry, einmal Wakame-Udon (da ist nur die Brühe nicht vegetarisch) und einmal natto-/umeboshi-/sekihan-onigiri vom konbini. Die restlichen Tage variieren oder sind nochmal das Gleiche. Ich sollte mir öfter selber etwas fürs Mittagessen mitnehmen, gerade an den Tagen, wo ich Japanisch habe.
Da das Wetter schön war, setzte ich mich nach draußen. Ich habe mir sagen lassen, dass die 15-20 Grad nicht typisch für Dezember sind, sonst hätte ich fast in Erwägung gezogen, dauerhaft hierher zu ziehen. Auf den Steinen sitzend fand mich dann der Ägypter aus dem Japanisch-Kurs, der mir eine Weile Gesellschaft leistete.
Pünktlich um eins war ich zurück im Labor, wo heute eine Einweisung in das neue PXRD-Gerät stattfand. Ich hatte schon bemerkt, dass die alte Bruker weiter nach hinten gewandert ist, an der alten Stelle steht jetzt ein Aeris von einer Firma namens PANalytics. Von der Art her ist das Gerät wie eines, das ich aus einem AC-Praktikum von der TUM kenne, und hat den großen Vorteil, dass man Proben auch während einer laufenden Messung in die Warteschlange einreihen kann. Bei der Bruker hier muss man dazu nämlich das Gerät öffnen, was während der Messung wegen Röntgenstrahlung natürlich nicht möglich ist. Aus einem Arbeitskreis in München kenne ich aber auch ein Gerät, bei dem überhaupt nur eine Probe per Hand in den Messplatz einspannt, das ist noch unpraktischer (gut, das unpraktischste an dem alten Ding ist, dass die Probe gerne mal während der Messung aus dem Halter fällt, das ist echt jenseits von gut und böse). Ansonsten ist auffällig, wie simpel die Bedienung ist. Hier wurde auf maximale Intuitivität gesetzt, was aber auch zu einer sehr eingeschränkten Zahl an Funktionen führt. Man kann wohl nicht mal Jobs in der Warteschlange löschen, sondern nur die aktuell laufende Messung stoppen. Einer der Post-Docs stellte nach der Einführung fest, dass er das ziemlich traurig findet, wie er überall immer weniger direkt mit der Technik selbst in Berührung ist. Tja, der Trend ist wohl global in allen möglichen Bereichen. Die Mehrzahl der Menschen in den sogenannten Industrieländern kann nicht mal grundlegend kochen.
Im Kurs stellte ich fest, dass es meinem Schwindel nicht wirklich besser ging, und dazu gesellte sich noch Müdigkeit. Zurück am PC wertete ich mein XRD von heute morgen aus und legte dann ein 15-Minuten-Schläfchen ein. Dann ging ich die SEM-Probe vermessen. Das Ergebnis war sehr zufriedenstellend, der gemessene Cer-Gehalt entspricht meinen Erwartungen. Nur leider war die Probenmenge ziemlich gering, sodass ich davon nicht direkt die katalytische Aktivität messen kann. Da muss ich nochmal neu synthetisieren. Außerdem brauche ich ein TEM, um die genauere Struktur zu untersuchen. Hoffentlich sind es immer noch Würfel, nur mit ein bisschen ceria außen dran... Als ich den Co-Prof besuchte und nach TEM-Messzeit fragte, wurde der nächste Dienstag festgelegt. Bis dahin will ich noch normale Kupferwürfel haben, damit ich da auch noch gleich die Größenverteilung und ein paar hübsche Bilder bekomme. Lustig, dass mir erst jetzt beim Blog-Schreiben auffällt, dass ich die Größenverteilung auch aus den SEM-Bildern rauslesen kann, die wir ganz am Anfang an dem anderen Gerät im ICNER aufgenommen haben. Egal, ich brauche auch die katalytische Aktivität der Kupferwürfel nochmal schön gemessen, die Daten von damals sind absolut Schrott.
Um viertel vor sechs ging ich dann heim. Eigentlich hatte ich zum Karate gehen wollen (das ist die letzen zwei Wochen wegen Prüfungsphase ausgefallen), aber dazu fühlte ich mich nicht in der Lage. Mein Fahrrad ließ ich am Labor stehen und ging zu Fuß heim. Ich schloss nochmal für zwanzig Minuten die Augen, das war angenehm. Während meines Abendessens kam mir der Gedanke, dass ich vielleicht mal meine Eisenzufuhr überdenken könnte. In Deutschland hatte ich mit meiner vegetarischen Lebensweise inklusive seltener Eisentabletten einen stabilen Eisenwert, aber hier esse ich sehr anders. Mir fehlen die Hülsenfrüchte und Nüsse schon vom Geschmack her, aber vielleicht auch ihre Nährstoffe? Nudeln und weißer Reis sind jetzt nicht gerade als nährstoffreich bekannt. Naja, vielleicht ich nicht nur den Einkaufszettel anpassen, sondern auch mal meine Eisentabletten etwas regelmäßiger nehmen. Die Zeit vergeht so schnell, da denke ich immer, ich habe erst vorgestern eine genommen, dabei ist es in Wahrheit zwei Wochen her.
Den Abend verbrachte ich in Ruhe mit meinen Fotos von Samstag, die Hälfte ist durch. Ihr könnt euch auf schöne Landschaften freuen!
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