Feuermünder und heißes Wasser

[Samstag]

Abmarsch um 7:20, damit wir um acht Uhr pünktlich den Mietwagen abholen konnten. Außer uns hatten scheinbar noch ein paar Leute den Gedanken, aber es ging trotzdem recht schnell. Der Mainzer war unser Fahrer, und nach anfänglichen Scheibenwischen statt Blinken gewöhnte er sich schnell an das Auto. Ein Toyota Passo, wenn ich mich recht entsinne. Auto halt. Hat uns etwa achtzig Euro für 25h gekostet. Dazu kommt natürlich Sprit, der überraschend günstig ist (169 Yen pro Liter, das ist je nach Wechselkurs ein guter Euro, und wir haben gut 17 Liter verbraucht), und Maut, die mit etwa fünfzig Euro noch teurer war als erwartet. 

Auf der Autobahn nach Süden darf man normalerweise achtzig km/h fahren, es war auch eher voll. Der Spurhalteassistent war ein guter Freund von uns, denn offenbar ist es gar nicht so einfach, die Fahrspur richtig einzuschätzen, wenn man auf der falschen Seite sitzt. 

Nachdem wir die Autobahn verlassen hatten und einen kurzen Stopp bei einem konbini gemacht hatten, fuhren wir Landstraße in die Berge, genau genommen in den Aso-Nationalpark. Rasch änderte sich die Landschaft hin zu etwas, was ich bisher nicht als Japan kannte: die Vulkane sind von einer Art Steppe bedeckt und nicht mehr bewaldet. Das wird teilweise gezielt durch gelegte Feuer so gehalten, den Grund habe ich leider nicht herausfinden können. 

Am Aso-Vulkanmuseum hielten wir einmal an, um uns im Besucherzentrum genauer zu informieren und zu versichern, dass wir die Informationen im Internet richtig gefunden hatten. Insbesondere die Zugänglichkeit des Kraters unterliegt häufig wechselnden Beschränkungen aufgrund der giftigen Gase. 

Für den Überblick: links seht ihr den rauchenden Krater, unten mittig das Vulkanmusem, rechts eboshi-dake.

Wir hatten Glück, es herrschte das niedrigste Warnniveau und man konnte nah an den Krater heran.

Zuerst fuhren wir zum aktiven Krater. Hier raucht es kräftig heraus. Theoretisch ist unten wohl auch grünes (manchmal blaues) Wasser drin, aber der Pegel war wohl zu niedrig. Es ist ziemlich spannend, durch dieses sehr offensichtlich vulkanisch geprägte Areal zu laufen, wir waren alle sehr begeistert. 





Ja, hier regnet es ab und zu mal Asche.

Danach fuhren wir zurück zum Parkplatz vom Vulkanmuseum, um von dort aus unsere Wanderung zu beginnen. Wir bestiegen einen der fünf Gipfel, nämlich den Eboshi-dake. Das sind nur 230 Höhenmeter (one-way), die ich aber dennoch ziemlich anstrengend fand. Allgemein bei der Wanderung war ich grundsätzlich immer die letzte und langsamste, was mich stresste und das Genießen und Fotographieren etwas erschwerte. Dabei waren die Blicke in die Landschaft wirklich wunderschön. Das Wetter hatte uns warme Temperaturen und sehr dynamische Wolken beschert, was zu tollen Lichtstimmungen führte. 

 



Oben auf dem Gipfel aßen wir friedlich. Außer uns waren wir nur einem einzigen anderem Wanderer begegnet. Am Krater, der mit dem Auto erreichbar ist, waren noch viele Leute gewesen. Es scheint erstaunlich viele Menschen zu geben, die hier im Rahmen eines Dates herkommen, zumindest wirken sie so, so aufgebretzelt wie die daherlaufen. Mit dem Schuhwerk unternimmt man natürlich keine Wanderungen. 




Am Fuß des eboshi-dake ist eine weite Fläche, wo eigentlich zwei Seen zu finden sein sollten. Dort grasen Pferde. 






Zurück am Parkplatz stiegen wir nochmal auf der anderen Seite zu einer Aussichtsplattform hinauf, die einen guten Blick in die andere Richtung bot, wo ein kleiner süßer Vulkan namens Komezuka wohnt. 

Ist er nicht süß?


Die Kuhmilch der Region scheint berühmt zu sein und musste getestet werden.

Auf halben Weg zurück zur Autobahn hielten wir dann an einem Onsen. Unser spontaner Mitwanderer konnte wegen einer Beinverletzung nicht ins Wasser und hielt stattdessen ein Nickerchen im Auto (auch mit dem Hintergedanken, dass er Zweitfahrer ist). Die anderen drei verschwanden in den Männerbereich, ich betrat alleine den für Frauen. Mir war das durchaus recht gewesen, dass ich alleine bin, wenn ich schon den ganzen Tag mit Leuten umgeben bin. 

Ich war noch nicht oft in onsen und es ist auch schon länger her. Mir fiel als erstes auf, dass ich vor allem ohne Brille Schwierigkeiten habe, Anweisungen zu lesen und andere Menschen zwecks Imitation zu beobachten. Normalerweise hilft es immer gut, sich einfach so zu verhalten wie alle anderen, aber durch die dichten Nebelschwaden ohne Brille viel die Option weg. Egal, ich fühlte mich relativ selbstsicher und hoffe, dass ich niemanden durch etwaiges falsches Verhalten verstört habe. 

Das Frauen-onsen verfügte über vier Innen- und zwei Außenbäder plus Sauna. Das heiße Wasser draußen an der kühlen, frischen Luft war mir am liebsten. Das einzige sehr irritierende war, dass dort als entspannende Musik deutsche Volkslieder in Flöten-Version liefen. "Hänschen klein" ging ja noch, aber "Frühling, Frühling wird es nun bald" halte ich für einen Irrtum. 

Zum Essen suchten wir uns ein kleines Restaurant auf dem Weg. Wir hatten Glück, es gefiel uns ausgezeichnet. Dort gab es auch das in der Präfektur Kumamoto berühmte Pferdefleisch-Sashimi, aber nachdem ich sowas schon mal in Fukuoka gegessen hatte und ich keinen Bock auf größere Mengen Fleisch und Fisch hatte, hielt ich mich an gemüselastiges Tempura. Und weil ich neugierig bin, habe ich mir umeshu (Pflaumenlikör) dazubestellt. Der war ultimativ lecker.


Knapp zehn Euro?

Dann gings heimwärts. Wir parkten das Auto etwa zehn Gehminuten entfernt für 500 Yen, weil es auf dem Campus keine öffentlichen Parkplätze gibt. Gegen ein Uhr nachts war ich dann wieder auf meinem Zimmer. Der Tag war lang, aber es hat sich gelohnt!


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