Auf in den Tanz

[Montag]

Um neun stand erstmal Festkörperseminar an, was entsetzlich öde war. Der Sprecher sprach viel zu leise als dass ich von ihm neue japanische Wörter hätte lernen können und der Inhalt war sowohl kompliziert wie auch größtenteils uninteressant. Ich lernte Vokabeln, räumte meine Emails auf, kämpfte gegen die Müdigkeit und recherchierte für mein nächstes Forschungspraktikum an der TUM. 

Nach zwei Stunden waren wir endlich entlassen. Ich sprühte die Kupfer-Ceroxid-Würfel auf eine GDL, wobei ich mich wunderte, dass auf der Rückseite bzw. auf der Pappe schwarze Partikel sichtbar wurden. Kein gutes Zeichen. Danach verspeiste ich mein mitgebrachtes obento im Pausenraum. Anschließend maß ich parallel ein SEM und bereitete zwei TEM-Proben für morgen vor, womit ich um kurz nach drei fertig wurde. Dann saß ich noch ein wenig uninspiriert am Computer rum und ging dann gegen vier Uhr nach Hause, wo ich erstmal der Müdigkeit nachgab und eine halbe Stunde tief und fest schlief. 

Nach einem kleinen Happen Essen und dem dreimal umentscheiden, was ich anziehen sollte, machte ich mich auf den Weg nach unten, wo der Mainzer Chemiker wartete, um mit mir gemeinsam zum Bus zu gehen. Außer uns hatte sich niemand gefunden, der Lust aufs Konzert des Kyudai Philharmonie-Orchesters hatte. Um halb sieben fanden wir uns in der Acros-Halle ein, was wohl der Hauptkonzertsaal von Fukuoka zu sein scheint. Er hat eine direkte unterirdische Verbindung zur U-Bahn Tenjin, das ist sehr praktisch. 

Das Konzert gefiel mir gut. Es war einfach schön, sich mal wieder live voll und ganz der klassischen Musik zu widmen. Ich hatte ganz vergessen, dass es Bässe gibt, schließlich höre ich hier ausschließlich über meine Kopfhörer Musik. Lustigerweise entdeckten wir im Saal noch ein paar andere Ausländer, bei denen es sich ausschließlich um deutsche Auslandsschüler handelte, plus eine italienische Studentin. Wir waren glaube ich acht Deutsche!

Das erste Stück war Marquez' Danzon No. 2. Dass ich dieses Stück kenne, verdanke ich meinem wunderbaren Freund, und woher der es kennt, kann ich nur raten (spotify). Es ist 2023 mein drittmeist gehörtes Lied! Für mich stecken da sehr viel Vorfreude und Freude drin. Die Rhythmen sind sehr mitreißend, und sie verzeihen Unsauberkeit nur wenig, was hier einigen im Orchester zur Falle wurde. Gerade die Violinen schwammen manchmal davon, wobei die Dirigentin offenbar ein sehr schnelles Tempo bevorzugte; schneller als ich es aus der Aufnahme des Singapore Symphony Orchesters gewohnt bin. Trotzdem eine große Freude, das Stück mal live zu erleben. 

Als zweites wurde Borodins zweite Symphonie zum Besten gegeben, die ich vorher nicht kannte. Der Anfang ist beeindruckend, und auch der zweite Satz hat hohes Wiedererkennungspotential. Hier fielen mir natürlich auch Unsauberkeiten weniger auf, auch wenn das Blech (Horn/Trompete?) gerne mal nicht ganz sauber war. Borodin ist übrigens auch ein bekannter Chemiker gewesen. 

Nach einer kurzen Pause gab es dann Dvoraks achte Symphonie, welche zu meinen Lieblingen gehört. Leider war meine Aufmerksamkeit etwas erschöpft und ich war geistig meist nicht mehr so recht dabei. 

Als Zugabe wurde Dvoraks zweiter slawischer Tanz gegeben, ein schöner Ohrwurm zum Rausgehen. 

Wir hatten es eigentlich eilig zurück ins Wohnheim zu kommen, aber der abendliche Bus zwang uns in Gakkentoshi fünfundzwanzig Minuten Aufenthalt auf. Diesen nutzten wir zu einem raschen Einkauf, wo wir von umeshu (der tolle Pflaumenlikör) und Snacks erwarben. Damit schlugen wir dann um halb elf beim Franzosen auf, wobei die Inderin und der andere Deutsche auch auftauchten und unsere übliche Fünferrunde komplettierten. Der Franzose reist nämlich übermorgen ab :(

Es war wunderbar, nochmal in dieser Runde zusammenzusitzen und wir hatten viel Spaß. Und ich hatte zu viel umeshu (2 Gläser) und zu viele Chips. Da morgen viel wichtige Laborarbeit anstand, verabschiedete ich mich um kurz nach Mitternacht. Es ist toll, einfach nur ein Stockwerk höher gehen zu müssen und dann fast direkt ins Bett fallen zu können. 


Das Zeug ist echt gefährlich lecker. Der hier hat 16% Alkohol, der aus dem Tetrapak nur 8%.


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