Mahnung für den Frieden
[Sonntag]
Da habe ich nicht ganz so viele Fotos gemacht, also hier schon mal mit Bildern, die von Samstag kommen noch irgendwann...
Der Tag begann pünktlich mit Frühstück und Verlassen des Hostels. Wir spazierten erstmal zum Friedenspark, um die Kunstwerke bei Tageslicht zu betrachten. Man merkt, dass sich vor allem das Motiv von Mutter mit Baby sehr oft wiederholt und die Tafeln an den Werken eigentlich immer genau das gleiche sagen, nur mit einem anderen Absender.
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| Der Stil verrät auf den ersten Blick, woher es kommen könnte... |

Da das Frühstück nicht so reichlich gewesen war, kauften wir beim Konbini ein zweites und setzten uns an den Rande des Parks, der das Hypozentrum der abgeworfenen Atombombe ist. Langsam wanderte unser Gespräch in Richtung Erinnerungskultur und Tourismus.
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| In Japan wird der Monat vor dem Tag geschrieben (was ich auch viel logischer finde), also war der Abwurf am 9. August. |
Das Atombombenmuseum hat mich ziemlich mitgenommen. Es ist sehr informativ und hat meiner Meinung nach eine ganz gute Größe. Nach zwei einführenden Räumen mit der Fragestellung "So sehen die Schäden aus, was ist passiert?" geht es detailliert um den Hergang des Abwurf. Interessanterweise wird hier der zweite Weltkrieg sehr anders datiert. Für Japan startet der Weltkrieg 1931 mit der Invasion in Manchuria (heutiges China) und endet naturgemäß erst mit der eigenen Kapitulation am 2. September 1945. Im folgenden ging dann um die vier Schadenssorten Hitzewelle, Feuer, Druckwelle und Strahlung mit vielen dazugehörigen illustrierenden Ausstellungsstücken. Anschließend kommen Erinnerungen von Zeitzeugen, das war für mich sehr emotional. Außer mir habe ich allerdings nur eine andere Besucherin schniefen gehört, der Rest verkneift sich seine emotionale Reaktion offenbar. Ich finde es schade, dass ich gesehen habe, wie viele Besucher den Raum danach nicht mehr wirklich angesehen haben, denn da geht es um die Gegenwart. Was sind die Regelungen und Verträge für Atomwaffen? Wer hat wie viele? Wer kommt bei Tests zu Schaden? Ich fand das Bild in Zusammenhang mit der aktuellen politischen Lage ziemlich hoffnungslos. Zuletzt gab es noch einen animierten Film, der einige Erlebnisse von Zeitzeugen nochmal verarbeitete. Wie erstaunlich ruhig und rasch die Leute hinterher aus dem Raum gingen! Ich brauchte erstmal ein neues Taschentuch.
Der Sonnenschein und der leichte Wind draußen waren wie erste Hilfe für mich. Trotzdem war ich eine Weile noch sehr in Gedanken versunken. Es tat gut zu sehen, dass diese so zerstörte Stadt wieder voll und lebendig ist. Das Leben geht weiter. Wie glücklich wir uns schätzen können, dass wir selbst in friedlicheren Zeiten leben, dass wir unsere Eltern, Großeltern und teilweise sogar Urgroßeltern so lange bei uns haben können!
Wir spazierten weiter zur Urakami-Kirche, eine der wichtigsten christlichen Gemeinden. Auch hier gibt es sehr bunte Fenster. Leider ist hier der Brauch unbekannt, Kerzen anzuzünden.
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| Drinnen darf man leider nicht fotographieren. |
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| Reste der alten Kirche. |
Fürs Mittagessen begaben wir uns wieder in Richtung Chinatown, damit sich jeder Streetfood seiner Wahl kaufen konnte. Im Falle der Inderin und mir war das allerdings nur ein Tapioka-Milktea. Gut, die sind schon auch ziemlich sättigend.
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| Das "einbeinige Torii" ist so nach der Zerstörung stehen geblieben. |
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| Natürlich gibt's auch hier die allgegenwärtigen Kraniche für den Frieden. |
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| Die Tram. |
Den anderen war gestern eingefallen, dass wir ja anstelle vom Zug auch mit dem Bus heimreisen könnten, weil das deutlich günstiger ist. Also hatte ich angefangen zu recherchieren, aber dank der zahlreichen Anbieter ist das nicht so einfach schnell getan. Ich hatte zumindest herausgefunden, dass der eine Anbieter alle halbe Stunde für 2900 Y, also knapp zwanzig Euro, ab Hauptbahnhof fährt. Also liefen wir dorthin, eigentlich mit dem Ziel, den Bus um 15:45 zu nehmen. Ich hatte nicht 100%ig verstanden, wo genau die Busse abfuhren, und vor allem wie man an Tickets gelangt, also ging ich erstmal zur Info des Bahnhofs. Während ich noch auf den Schalter zutrat, ging die Inderin erschöpft sich irgendwo hinsetzen und die Herren verschwanden mit dem Kommentar, sie würden schon mal auf die Toilette gehen. In dem Moment war ich echt genervt. Klar, ich bin die einzige, die Japanisch spricht, also kläre ich das alles, aber auch Reiseleiter müssen auf die Toilette, und ich hasse es, wenn Leute, die kein Internet oder keinen Strom in ihrem Handy haben, dann einfach wegrennen. Die Frau an der Info erklärte mir, wo der Bus abfuhr und dass man die Tickets dort am Schalter erwerben könne. Dann ging ich selbst auf die Toilette. Nachdem ich die anderen nicht wiederfand, schrieb ich ihnen in die Gruppe, dass wir einen Bus später nehmen würden. Zumindest der Franzose konnte das lesen. Dann kaufte ich in Ruhe omiyage und suchte noch einen konbini für Essen, nur um festzustellen, dass das der ausverkaufteste konbini war, den ich je gesehen hatte. Nicht gut für meine Gereiztheit.
Die Inderin hatte irgendwann einfach ihren Sitzplatz im Warteraum verlassen, nur ihren großen Rucksack sah ich da noch. Dabei hatte ich ihr gesagt, dass die Japaner unbeaufsichtigtes Gepäck nicht mögen. Sie war aufs Klo gegangen. Um vier gingen wir dann zum Busterminal. Die Tickets konnte man aus dem Automaten ziehen, aber als wir dann zum Abfahrtsort gingen, fing die Fragerei rund um Reservierungen an. Der Typ dort schickte uns wieder rüber zum generellen Reservierungsbüro, die wiederum meinten, wir sollen beim Busfahrer nach Sitzplätzen fragen, und letztendlich verstand ich, dass das Zauberwort "getrennt sitzen ist okay" hieß. War mir eh ganz recht, von sozialer Interaktion entbunden zu sein.
Wir fanden einzelne Sitzplätze im Bus um 16:15, sodass es bei der Abfahrt noch hell war und man eine schöne Sicht hatte. Die Fahrt sollte gut zweieinhalb Stunden dauern, aber wir hatten 26 Minuten Verspätung. Das haben Busse hier wohl eigentlich immer, weil da oft Stau ist. Ankunft war natürlich in Hakata, dem Quasi-Hauptbahnhof von Fukukoka. Von dort aus hieß es noch eine halbe Stunde mit dem Zug nach Gakkentoshi fahren. Wenn man schonmal da ist, muss man natürlich noch die Einkäufe erledigen, wobei ich vor allem Gemüse erwarb. Dann noch mit dem Bus nach Hause. Um kurz vor zehn Uhr war ich daheim. Huff. Das war ein anstrengendes Wochenende. Ich bin froh, dass wir diesen Ausflug unternommen haben, Nagasaki ist eine interessante Stadt für so ein Wochenende, vor allem der "Berg" Inasa hat mir wirklich sehr gut gefallen.
















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