Kyudaisai I

[Samstag]

Heute und morgen findet unser Universitätsfest = Kyudai-sai statt. Ich kann das Event hören, sobald ich das Fenster öffne. Morgens kümmerte ich mich erstmal ein wenig um den Haushalt, saugte und wischte die Wohnung. Um elf traf ich mich mit dem Franzosen, um gemeinsam zum Kyudai-sai zu gehen. Der Großteil der Stände dort verkauft Essen und wird von den vielen Zirkeln betrieben. Mein Karate-Club verkauft glasierte Äpfel, aber nachdem ich da nicht in die Planung miteinbezogen worden war, half ich auch nicht mit. Ein paar Stände bieten auch andere Dinge an. An einem Stand kann man den dort arbeitenden Leuten "Torten" (Schwämme mit weißer Creme) ins Gesicht klatschen. Ein Stand verkauft Merchandise der Uni, sodass ich jetzt glücklicher Besitzer eines Kyudai-Hoodies bin. Der A-cappella-Zirkel singt einfach durchgehend in unterschiedlichen Ensembles an seinem Stand. Es gibt zwei Hauptbühnen, auf denen vor allem getanzt und musiziert wird. Die Bands der Uni sind in einem Zirkel organisiert und betrieben noch eine zusätzliche Bühne in einem Klassenzimmer. Ich habe häufig etwas Mühe mit den Vocals, weil ich mir nie sicher bin, ob sie intonatorisch falsch sind oder mein Gehör und Geschmack kulturell anders geprägt sind. 


Im Hintergrund seht ihr Dorm 2 und Dorm 1. Meiner versteckt sich dann dahinter.


Ich hab erst lange nicht begriffen, wer diese Leute sind, aber sie sind eine Art Cheering Club. Die waren ziemlich cool, sehr selbstbewusst und lustig. Sie schreien ziemlich viel rum.

Nicht ganz mein Fall.

Ein wichtiger Teil sind die "Marktschreier", die vor fast jedem Stand stehen. Manche sind sehr kreativ hinsichtlich ihrer Verkleidung, manche überzeugen einfach durch Hartnäckigkeit, andere durch Masse (also mehrere Leute, nicht schwere Personen). Viele wechselten die Sprache, sobald Ausländer vorbeigehen, was mich ehrlich gesagt etwas anstrengt. Ich kann mir noch so oft sagen, dass es nur nett gemeint ist und ich mich in Verständnis und Geduld üben sollte, es nervt mich. Vielleicht sollte ich mir für solche Situationen ein Schild zulegen "Ich spreche Japanisch". Ich könnte ja auch mal versuchen, mir die Haare dunkelbraun bis schwarz zu färben, vielleicht hilft das auch. 

"Kyudai Fried Chicken" (das kyu wird nämlich wie das englische "Q" ausgesprochen)


Kommentare

  1. Lass mal die Haare wie sie sind, Du wirst immer als Gaijin erkannt werden. Aber vielleicht freuen sich ja manchmal auch Japaner, wenn Du ihnen auf Japanisch antwortest, auch wenn sie Dich erst auf Englisch angesprochen haben... Da hilft nur eine Portion buddhistischer Gleichmut, wenn Dich das stresst! 🙏🏻

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