Dürfen Hornochsen überhaupt Kaffee trinken?
[Dienstag]
Morgens hatten wir Festkörperphysik-Seminar. Da eine chinesische Post-Doc (ja, wir haben extraordinär viele Post-Docs/assistant professors) das hielt, war es auf Englisch, was aber den Inhalt nicht so viel verständlicher machte wie man meinen sollte. Ich hatte keine Lust auf den Vortrag und war froh, als ich endlich mit meinem Experiment beginnen konnte. Ich versuchte mich mal wieder an der Kombi von Kupferwürfeln und ceria, genauso wie letzte Woche, nur unter Argon statt unter Luft, auch wenn ich mich frage, wo dann der Sauerstoff für die Oxidation vom Cer(III) herkommen soll.
Aufgrund meines Synthese-Rhythmus hatte ich es nicht geschafft, mit den anderen Mittagessen zu gehen. Also holte ich mir nur kurz was vom konbini und ging dann noch kurz spazieren, wobei ich ein Café fand, das echten Kaffee verkauft. Jetzt war mein Kaffee teurer als mein Mittagessen.
Nachmittags synthetisierte ich fleißig weiter und bereitete Proben vor.
Ich bin übrigens ein Hornochse. Ich hatte mir sogar in den Kalener eingetragen, dass heute das Immigrationsamt auf den Campus kommt, und wollte da hingehen. Um kurz nach fünf, als ich mit meiner Synthese fertig war, ist es mir dann wieder eingefallen. Tja, die sind um vier nach Hause gegangen... Jetzt versuch ich es entgegen eines Ratschlags mal per Email, ansonsten muss ich irgendwann Labor schwänzen und in die Stadt fahren.
Als ich nach Hause kam, ärgerte ich mich diesmal nicht wie immer nur über das angeschaltete Licht und die nicht abgeschlossene Türe, sondern vor allem auch über den leicht geöffneten Kühlschrank. Keiner war zuhause. Sind meine Mitbewohner eigentlich alle blind?
Ich kochte etwas, was eigentlich von Risotto inspiriert sein sollte. Natürlich habe ich keinen Risottoreis, sondern meinen gewöhnlichen braunen Rundkornreis. Statt mit Weißwein habe ich mit Kochsake abgelöscht. Ich habe darauf verzichtet die Brühe durch mein Seetang-Brühpulver zu substitutieren und einfach Salzwasser genommen. Das Gemüse besteht aus einem traurigen halb vertrockneten Brokkoli, den meine Mitbewohnerin nicht mehr haben woltle. Muskatnuss habe ich nicht. Statt Butter wurde lediglich Öl verwendet. Parmesan ist mir viel zu teuer, dafür habe ich Tofu reingerührt, mit der Hoffnung, dass er das Gericht cremiger machen würde, aber das hier war eine festere Sorte. Also, das Ergebnis war schon essbar, aber auch kein Highlight. Es fühlte sich ein bisschen nach Aufgeben an, als ich es mit Tenkasu, also japanischen Frittierbröseln, verzierte, die machen nämlich alles besser. [Anmerkung aus der Zukunft: die zweite Portion wurde dann mit umeboshi (salzig eingelegter Pflaume) gegessen, da war dann wirklich alles aus.]
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