Die Sache mit dem Sauerstoff

[Montag]

Heute war mal wieder Research Discussion angesagt. Es stellten nur vier Leute etwas vor, und ich war diesmal geistig drauf eingestellt, insofern verkraftete ich die gut drei Stunden Zoom-Meeting deutlich besser als beim letzten Mal. Teilweise war es sogar sehr interessant und verständlich. 

Nach dem Mittagessen begann ich die Synthese von Kupferoxidwürfeln, genaugenommen von Kupfer(I)-oxid (die anderen Würfel waren reines Kupfer, also Kupfer(0)). Die Synthese geht recht zügig vonstatten, sie dauert nur halb solange wie die der Kupferwürfel. 

 

Zwischenzustand der Kupferoxid-Suspension.

Hinterher war noch Zeit, die Probe von letzter Woche ins SEM zu werfen. Und siehe da, im EDS ich habe Cer gefunden! Das ist schon mal gut. Im nächsten Schritt werde ich mir die Probe also genauer anschauen. Der Co-Prof meinte, er geht mit mir vermutlich am Donnerstag TEM messen (also ja, ich darf das alleine, aber ich nehme für den Anfang lieber jemanden mit...). Die Frage bleibt, warum die Ausbeute so schlecht und die erste Waschlösung so dunkel war. Unsere aktuelle Vermutung ist, dass der Großteil der Kupferwürfel zu CuO oxidiert und gelöst wurde. Insofern werde ich morgen das Experiment von letzter Woche unter Argon (= unreaktives Gas anstelle von Luft) wiederholen.

Gegen halb sieben ging ich heim und kochte mir chahan, also eine Art Gebratenen Reis mit Ei. Danach hieß es Bilder aufarbeiten. 

Übrigens hat die Unterkunft in Nagasaki Stress gemacht. Ich vermute, ihr Geschäftsmodell ist es, eine günstige Übernachtung anzubieten, seltsame Regeln aufzustellen und dann Geld fürs angebliche Verletzen zu verlangen. Man darf keine Fotos von innen oder außen hochladen, mit wenigen von ihr spezifizierten Ausnahmen. Die Überwachungskamera am Eingang hatte aufgezeichnet, wie die Inderin irgendwann in der Nacht mal hinausging und scheinbar ein Video von der Unterkunft machte. In Wirklichkeit telefonierte sie mit ihrer Mutter. Die Inhaberin wollte erstmal 70€ von uns, was wir verweigerten, dann rief sie irgendwo in der Uni an, um Stress zu machen, aber letztendlich rettete uns die Uni. In Japan ist man immer Repräsentativer von seiner Uni oder Schule, also ist das durchaus normal, dass die von etwaigen Vergehen hören und man dann auch von denen Ärger bekommt. In diesem Fall arbeitete diese Kultur jedoch für uns und wir mussten keine Strafen zahlen. Nun, das Ganze war uns eine Lehre.  

Für die Laborleute und meine Mitbewohnerinnen hatte ich jeweils omiyage aus Nagasaki mitgebracht, also ein kleines Mitbringsel. Fürs Labor gab's eine Art Kekse, für zuhause hatte ich Castella-Pudding mitgenommen, weil Castella-Kuchen hier sehr berühmt ist. Sie haben sich sehr gefreut und es war ein guter Anlass um mal wieder ins Gespräch zu kommen. Die vierte Portion habe ich selbst gegessen.


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