Und rein in die Arbeit!
[Dienstag]
Heute begann für viele hier der Unterricht. Mein Vormittag war noch frei, deshalb nutzte ich die Zeit zum Einkaufen. Auf dem Weg Richtung Gakkentoshi-Bahnhof kamen mir sehr viele Leute entgegen, entweder auch auf Fahrrädern, oder auf Motorrollern. Die meisten Studentys wohnen nämlich nicht auf dem Campus. Ich kaufte heute mal nur in der Aeon Mall ein. Cosmos wäre bei ein paar Produkten schon günstiger, aber zeitlich lohnt sich das nicht für ein paar Artikel.
Nachdem ich mir mein Mittagessen gekocht hatte, war es auch schon Zeit loszuspazieren. Es sind nur fünfzehn Minuten zu Fuß bis zu den Chemiegebäuden, aber natürlich ging ich deutlich früher los. Ich war ziemlich nervös. Und hatte ordentlich periodisch bedingte Unterleibskrämpfe, fühlte mich insgesamt eher mies.
Ich war um zwei Uhr im Büro meiner Professorin verabredet. Dort war auch schon ein weiterer Neuling, ein Chinese, der hier seinen PhD anfängt. Die Professorin, ihre Sekretärin, der chinesische Doktorand und ich stürzten uns gleich richtig in den Papierkram. Ich hatte kurz vor meiner Ankunft im Labor eine Email bekommen, dass ich meinen Studentenausweis abholen könne. Der PhD musste auch ins gleiche Büro, also unternahmen wir erst einmal einen kleinen Ausflug zu zweit ins gegenüberliegende Gebäude. Es wurde schnell klar, dass er kein Japanisch kann und vom Englischen auch nur ein Drittel versteht. Im Laufe des Nachmittags coachte ich ihn bezüglich der bürokratischen Prozeduren und wiederholte die Anweisungen der Professorin nochmal für ihn. Wir sitzen nebeneinander in einem großen Büroraum, in dem vierzehn Studenten, Doktoranden, Post-Docs und Assistant Professsors ihre Plätze haben. Faktisch sind natürlich nie alle da, die Atmosphäre war entspannt. Rechts neben mir sitzt ein sehr hilfreicher Mensch, dessen Position im Geflecht mir noch unbekannt ist. Immerhin weiß ich seinen Namen. Wenn ich eines gelernt habe in meinem Auslandsschuljahr damals, dann dass man um jeden Preis am Anfang noch zigmal nach Namen fragen sollte, bevor man irgendwann nach ein paar Monaten immer noch nicht weiß, wie die eigenen Freundinnen heißen. Ein paar Namen und Gesichter kann ich jetzt schon, und mein rechter Nachbar hat mir freundlicherweise noch einen Sitzplan fürs Büro geschrieben. Sehr praktisch.
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| Jeder Flur hat so einen Plan. Man kann damit wunderbar Japanisch lernen :) |
Beim Abholen des Studentenausweises wurde mir ein fetter Stapel Papiere in die Hand gedrückt. Den durchzuarbeiten dauerte den kompletten Nachmittag. Natürlich ratschte ich zwischendurch noch ein wenig mit dem ein oder anderen Menschen. Dann bekam ich auch noch einen Computer. Da ist irgendwie dann schon sieben Uhr abends war, wurde das Projekt PC einrichten auf morgen verschoben. Die Kernzeiten der Arbeitsgruppe sind wohl 9-17 Uhr, und die Professorin selber geht spätestens um acht nach Hause (auf Wunsch ihres Ehemanns, dafür kommt sie morgens um sechs). Einige Leute gingen auch schon um 17 Uhr, das hat mich irgendwie beruhigt. Ich hatte schon bisschen Sorge, es könne hier eine Kultur geben, wo man jeden Tag bis neun Uhr abends bleibt, aber dem scheint nicht so zu sein.
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| Immerhin gab es ein Übersichtsbatt für den Papierkram. |
Der Arbeitskreis hat wohl drei Sorten an wöchentlichen Seminaren. Eines zum gegenseitigen Vorstellen des Forschungsfortschritts, einen Journal-Club (jede Woche stellt ein anderer ein Paper vor) und eine Vorlesungsreihe, wo es dieses Jahr wohl um Festkörperphysik geht. Meine Kollegen sagen alle, sie hätten davon überhaupt keine Ahnung und es sei sehr schwer verständlich. Wie schön, dass ich letztes Semester eine ganze Vorlesung samt Kolloquium zu dem Thema hatte :) Ich bin sehr gespannt, wie dieses Seminar verlaufen wird. Es gibt ein Lehrbuch, anhand dessen wohl gearbeitet wird. Von dem haben wir die ersten drei Kapitel kopiert bekommen, aber ich glaube nicht, dass ich Zeit haben werde mich ausreichend einzulesen.
Insgesamt war es ein sehr guter Start in das Forschungspraktikum. Ich kann mir gut vorstellen, mit den Leuten vier Monate zu verbringen. Zwar habe ich immer noch keine Ahnung, was ich inhaltlich machen werde, aber das wird sich im Laufe der Woche wohl noch ergeben. Der associate professor, der wohl hauptsächlich meine Arbeit betreuen wird, ist morgen und übermorgen wohl gut beschäftigt, will sich aber irgendwann mal mit mir drüber unterhalten, was mich so interessiert. Heute kam nur mal die bisschen seltsam anmutende Frage, ob mir Metalle oder Metalloxide lieber sind. Ähm. Wie soll man das entscheiden, wenn man mit beidem noch nie ernsthaft gearbeitet hat?? Ich hab aus dem Bauch raus Metalloxide genannt.
Zuhause kochte ich erstmal ein rasches Abendessen (yaki-soba) und ging duschen. Ich versuchte noch mein Zeug zu sortieren, war aber zu müde um ernsthaft konzentriert zu arbeiten.



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