Luft raus
[Mittwoch]
Heute vormittag fand heute das Seminar zu Solid State Theory statt. Wie schon vorgestern beim Journal Club verstand ich von dem Erzählten nicht viel, lernte aber neue Worte. Es ist außerdem eine gute Gelegenheit, den Stoff von meiner Vorlesung im letzten Semester zu wiederholen. Direkt im Anschluss (um elf) gingen wir Mittagessen, weil es da noch schön leer ist. Ich entschied mich heute für die Ramen-Suppe der Woche, die den Untertitel "Chinesisch-Italienische Colloboration" trug und neben typischen Ramennudeln, Mais und Grünzeug auch Tomatensauce und ein wenig Hühnchen beinhaltet. Sehr schmackhaft!
Ich arbeitete meine ersten Vorschläge zur konkreten Synthese aus, wurde allerdings nachmittags irgendwann etwas desillusioniert von zwei kleineren Problemen, auf die ich hingewiesen wurde. Ich erinnere mich, Chemie ist das Zeug, das immer eigensinnig ist und deswegen einem immer wieder unbequeme Hindernisse in den Weg wirft. In dem Fall vor allem mangelnde Stabilität unter Luft, unter schwach alkalischen wässrigen Bedingungen und was weiß ich nicht was. Ich wollte eigentlich erst die Kupferwürfel ohne Ceria synthetisieren, also einmal ordentlich aufreinigen und charakterisieren, aber dann ist die Oberfläche so passiviert, dass ich die Beschichtung nicht mehr drauf bekäme. Also muss ich das wohl gleich in Lösung machen, das macht aber die Kontrolle des Cer/Kupfer-Verhältnisses schwer... Dann habe ich aber auch noch das falsche Lösungsmittel, weiß nicht, ob sich mein Cer-Precursor drin löst (jaja, studieren geht über probieren) und darf den pH nicht ändern. Ich bin gespannt, mit freifliegenden Synthesen hab ich echt keine Erfahrung.
Am liebsten hätte ich da heute noch angefangen, aber ich muss immer eine Weile warten, bis ich den Co-Prof erwische und mich mit ihm beraten kann. Ich hoffe ich schaffe es diese Woche noch zu beginnen... Nun, so verbrachte ich meine Zeit eher mit wahlloser Paper-Recherche und damit, dem chinesischen PhD grundlegende Dinge zu erklären (zum Beispiel, wie man die Ausbeute unserer ziemlich simplen Kupferwürfelsynthese berechnet). Außerdem kamen heute unsere bestellten Exsikkatoren an! Das ist im Endeffekt eine Box, in der man Proben unter Vakuum lagert. Die haben wir rasch zusammengeschraubt und getestet.
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| Dieses schöne Plastikteil hat etwa 100€ gekostet und wird in Zukunft meinen Proben ein Zuhause bieten. |
Gegen sechs ging ich nach Hause. Solange ich meine Synthese nicht angefangen habe, hab ich keine Lust länger dazubleiben, weil ich nicht wirklich das Gefühl habe, etwas Sinnvolles zu tun zu haben. Unten in der Lobby traf ich eine Person, mit der ich irgendwie ins Gespräch kam. Es stellte sich heraus, dass es der eine Isländer ist. Bei der einen Orientierungsveranstaltung wurde nämlich teilweise aufgezählt, wie viele Leute aus welchen Ländern hier sind, und der Counter für Island ist 1. Ich komme mir vor, als hätte ich beim Bingo ein Feld abgehakt. Noch viel lustiger ist aber, dass wir 2015 beide genau zeitgleich ein Auslandsschuljahr in Japan gemacht haben, wobei er mit einer anderen Organisation (id est AFS) hier war.
Abends kam dann die Email mit dem Ergebnis des Einstufungstest. Level 6 von 7, das habe ich mir so gedacht. Genauere Details bekommt man wie erwartet nicht. Jetzt hab ich zwei Kurse zu leicht unterschiedlichen Zeiten zur Auswahl, für die ich mich ab morgen anmelden kann. Ich habe der Professorin und dem Co-Prof eine (höfliche, wie ich finde, aber das ist sicher Ansichtssache) Email geschrieben, um sie bestätigen zu lassen, dass es in Ordnung ist, wenn ich da hingehe.
Den Abend habe ich relativ unproduktiv verdüdelt. Eigentlich hatte ich ins Onsen gehen wollen, habe aber noch rechtzeitig festgestellt, dass da mittwochs Ruhetag ist. :(

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