Lange Wörter und lange Reviews

[Donnerstag]

Zum Frühstück habe ich festgestellt, dass ich wohl doch einen fettarmen Joghurt gekauft habe, der ganz grässlich schmeckt. Dabei hatte ich extra drauf geachtet, dass nichts von wegen fettfrei drauf steht... Ich hätte einfach die Nährwerttabelle studieren sollen. Mit Banane und extra viel Kinako ist er aber dann doch essbar. Inzwischen hätte ich sogar Zucker, falls es ganz hart auf hart käme. 

Vormittags begleitete ich ein paar Kollegen zum TEM-Messen. Das japanische Wort dafür ist wohl das längste, das ich kenne, es lautet 透過型電子顕微鏡 - tookagatadenshikenbikyoo. Dann doch lieber die englische Abkürzung von transmission electron microscopy. Wir gingen dafür ins benachbarte Zentrum für Ultramikroskopie. Ich hatte ein derartiges Mikroskop noch nie leibhaftig vor mir gesehen, es ist aber auch nicht so spektakulär anzusehen. Viel spannender ist, was für Bilder herauskommen... Ich finde das immer noch unvorstellbar, dass man Materialien derart vergrößert anschauen kann. Und das hier war noch nicht mal super stark aufgelöst.

Sobald man mal eine Messung gesehen hat (dauert etwa 30 bis 45 Minuten, bis eine Probe durch ist), ist es nicht mehr so wirklich spannend, und der chinesische PhD und ich nahmen das Angebot, zurück ins Büro gehen zu dürfen, beim zweiten Fragen dann doch an. Es war vor allem auch schrecklich kalt in dem Labor.

Zum Mittagessen bot uns dann einer der associate professor eine Mini-Campusführung an. Wir wanderten bis zur Cafeteria, die zur Agrikultur-Fakultät gehört. Ich aß dort für 450 Yen eine Portion Butter Curry indischer Art, das hat mir sehr gut gefallen. Sie hätten aber etwas großzügiger mit dem Paneer sein können... Unser Gespräch zu viert beim Essen (der assosciate prof, der chinesische PhD und ein chinesischer Masterstudent) war sehr unterhaltsam. Der chinesische Masterstudent spricht fließend Japanisch und übersetzte zwischendurch immer mal wieder an den PhD. Ich habs bisschen aufgegeben mit ihm auf Englisch kommunizieren zu wollen. 

Nachmittags las ich dann vor allem in einem Review über Kupfer-Nanokatalysatoren für die Reduktion von Carbondioxid hin zu Kohlenwasserstoffen wie beispielsweise Ethanol. Es hat 63 Seiten, also bin ich damit wohl noch eine Weile beschäftigt. Eigentlich wollte ich es mehr überfliegen und nur einzelne Stellen lesen, aber es ist sehr informativ und gut geschrieben, also lese ich es wohl doch von vorn bis hinten. Ich hatte den Co-Prof darum mir Reviews zu empfehlen, damit ich mich besser entscheiden kann, wohin meine Forschung gehen soll. 

Mein Schreibtisch. Nicht sehr spannend, ich weiß.

 

Um viertel nach fünf verließ ich dann das Büro. Ich ging noch kurz beim Konbini vorbei, um Geld abzuheben und ein Notizbuch zu erwerben, weil mir bisher noch ein Laborjournal fehlt. Zuhause legte ich erstmal noch einen Frühabendschlaf ein, weil ich echt müde war. Dann folgten entspannt Kochen (inklusive dem Kürbis, sehr lecker!), Wäsche waschen (inklusive Bekämpfung der Blutflecken, die mir der Halbjapaner gestern vermacht hat!) und Bürokratie sortieren (inklusive müdem Aufschieben!). Ein kleiner Spaziergang sollte auch nicht fehlen. Die nächtliche Ruhe und frische Luft sind einfach sehr angenehm...


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