Ein Tag im Kühlschrank
[Mittwoch]
In der Früh öffnete ich erstmal meinen Koffer, um an die dort gelagerten Wintersachen zu kommen. Ich legte heute zusätzlich längere Socken an, einen Taillenwärmer (keine Ahnung wie man das beschreibt, ich hab das noch aus der Zeit wo man bei acht Grad in Schuluniform, sprich Kniestrümpfen und knielangem Rock zur Schule gegangen ist), ein Unterhemd und einen Pullover. Fingerlose Handschuhe und ein Knick-Taschenwärmer wanderten in den Rucksack.
Um neun ging ich erstmal ins Journal-Club-Seminar. Vom Thema (ein neuartiges Carbonfiber-Substrat für Surface-Enhanced Raman Spectroscopy) hatte ich keine Ahnung, es war halbdunkel und man konntem CO2-Messgerät zuschauen, wie es in die Höhe schnellte, bis sich bei etwa 1180 ppm ein Gleichgewicht mit der Lüftung einstellte. Anders gesagt, ich war hundemüde.
Um zehn stand ich dann im Kühlschrank. Der Kühlschrank ist ein Zimmer im Ultramikroskopie-Center und beherbergt das TEM-Gerät, an dem wir zu dritt heute unser technisches Training absolvierten. Angeblich hat es zwanzig Grad darin, aber es fühlt sich an wie dreizehn, wenn man länger drin hockt. Und das taten wir, denn jeder einzelne Schritt wurde viermal absolviert: einmal mit Erklärungen gezeigt und dann jeweils einmal von der Keniarin, dem Philipino und mir. Die Technikerin heute sprach leider nur wenig Englisch, sodass meine Fragen zur Theorie leider unbeantwortet blieben (ich hab immer noch nicht verstanden, wie darkfield funktioniert und wozu ich das einsetze).
Wir waren recht pünktlich fertig, sodass ich schon vor fünf wieder im Büro war. Da hatte ich nicht wirklich was zu tun, also lernte ich Vokabeln, hörte Musik und schrieb Text für diesen Blog. Bevor ich aufbrach, verspeiste ich noch mein kleines obento, dann gings mal wieder zum Karate. Dort herrschte heute ein Ungleichgewicht, das mir etwas missfällt: auf zwei japanische Schüler kamen sieben Ausländer. Naja, das Training war trotzdem gut, und die ausführlichen Erklärungen für die vielen Neulinge interessant. Nur hinterher bekam meine Stimmung einen Dämpfer, als der religiöse Kanadier sich mal wieder bei mir bedankte, dass ich nicht mit ihm trainiere. Was soll ich dazu sagen? Gern geschehen ist es nicht. Ich fühle mich verletzt durch die Tatsache, dass jemand sich weigert mit mir zu trainieren. Klar, das hat nichts mit mir als Person zu tun, aber irgendwie halt schon, nämlich einzig und allein mit meinem Geschlecht. Keine Ahnung was ich ihm erwidern soll, mehr als eine abwiegelnde Geste bekomme ich normalerweise nicht raus.

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