Drei ist nicht immer die beste Anzahl der Dinge

[Sonntag]

Von meinem Balkon aus fotographiert.

Heute regnete es den ganzen Tag, das fand ich eher uncool. Vormittags wusch ich mein Bettzeug (wofür ich erstmal den Trockner verstehen musste, denn ich habe keine Möglichkeit Laken und Bettbezug irgendwo aufzuhängen). Außerdem putzte ich, wobei ich auf die Idee kam nachzusehen, wie voll der Staubsaugerbeutel wohl sei. Er war ziemlich voll, und ich nahm ihn einmal raus, was dazu führte, dass ich es hinterher nicht mehr zusammengebaut bekam. Julia und ich rätselten beide, hatten aber keine Ahnung. Also gingen wir runter, die Eingangsdame fragen. Sie gab uns einen neuen Beutel, und ich habe inzwischen verstanden, dass wir den Beutel um 90° gedreht eingebaut hatten. Danach suchte ich eine Weile bei Amazon nach Staubsaugerbeuteln und wo ich schon dabei war auch noch nach einem kleinen Topf. 

Eigentlich war ich für halb eins mit anderen verabredet gewesen, um ins Museum zu gehen, aber die hatten dann keine Lust bei Regen rauszugehen (man hätte vom Bahnhof aus zwanzig Minuten zu Fuß gehen müssen). Also blieb ich überraschend zuhause. Ich kochte in Ruhe, recherchierte ein wenig, düdelte vor mich hin. 

Abends war ich mit fünf anderen in einem Izakaya, also einer japanischen Bar, verabredet. Ich aß vorher ein strategisches Natto. Meine Vermutung, dass es nicht wirklich viel zu essen geben würde, bestätigte sich. Dafür gab es reichlich zu trinken. Der Laden rühmt sich für sein Craft-Bier und Craft-Sake. Ich war sehr neugierig auf Sake, den japanischen Reiswein, also schloss ich mich dieser Fraktion an. Es gab Probiersets mit je drei verschiedenen Sake bzw. Bier. Ich hätte ahnen können, dass das Alkoholvolumen, das man für acht Euro bekommt, etwas viel für mich sein könnte, aber ich konnte weder die Preise noch sake einschätzen. Der sake war sehr lecker, ich mag die fruchtige Art. Überraschend fand ich die Erkenntnis, wie schwer es mir fiel die Aromen der Proben zu erschmecken. Mit Kaffee, Tee und Gin habe ich da offenbar mehr Erfahrung. Zwischen zwei meiner Proben konnte ich quasi keinen Unterschied wegnehmen.  

Das Izakaya von außen.

Zum Essen bestellte ich mir ein Brot-Set und eine Schale Edamame. Das Brot war erstaunlich gut, sogar der Franzose stimmte mir da zu. Gut, wir waren auch mit sehr niedrigen Erwartungen herangegangen. Der Schwede war sehr mutig, er bestellte sich eine Portion Pferde-Sashimi, also rohes Pferdefleisch. Ich war die einzige, die das freiwillig probierte. Also, nochmal ganz offiziell: Ich habe rohes Pferdefleisch gegessen! Es war geschmacklich nicht sonderlich aufregend, kann man gut essen. 

Mir ist erst mitten während des Essens eingefallen, ein Foto zu machen.

 
Das Pferde-Sashimi.

Leider stellte ich schon nach einem Drittel meines sakes fest, dass ich den Alkohol spüren konnte, ab da war klar, dass ich meine Bestellung nicht schaffen würde. Ich weiß nicht genau, was der Alkoholgehalt ist, normalerweise zwischen 15 und 20%. Der Franzose neben mir meinte er spüre gar nichts nach seinen drei Schalen sake, und schätzte den Gehalt eher auf 15%. Die Malaysierin immerhin stimmte mir zu, dass drei Schalen innerhalb von zwei Stunden Obergrenze seien. Also nippten wir nur einmal kurz zum Probieren, als sich der Schwede und der Franzose noch Yoghurt-Pflaumenwein und später Schokoladenlikör bestellten. Beides hat mich nicht so angesprochen, der sake war viel besser. 

Als wir nach zwei Stunden bezahlten, war ich echt sehr müde vom Alkohol, aber die frische Luft draußen tat schon sehr gut. Der Schwede hatte beschlossen, sich das japanische Equivalent zum Döner zu suchen, und so gingen wir in einen Laden, der Yakitori verkaufte. Dort konnte man quasi alles erwerben, was man auf Grillspieße stecken kann. Für mich gab's eine Schale Pommes, einen Spieß mit grüner Paprika und einen Spieß mit ganzen Knoblauchzehen (sehr lecker). Damit fühlte ich mich schnell deutlich besser. Etwa um elf Uhr nahmen wir dann einen Bus nach Hause. Auf Fahrrädern gilt hier übrigens Null-Promille-Regel. Es war ein sehr lustiger Abend, und ich werde in Zukunft sake genießen, aber bitte nur in einzeln bestellten Schalen :)

Im Yakitori-Laden.


Kommentare

  1. Der Trick bei ungewohnt reichlichem Alkoholkonsum besteht einfach darin, dass man richtig viel Wasser dazu trinken muss. Das haben wir bei unserem Whisky - Seminar gelernt und es hat sehr gut funktioniert! Sonst wären wir nach den neun Gläsern wohl kaum wieder nach Hause gekommen... 😂

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