Akiyoshidai

[Samstag] - Teil 1

In den heutigen Tag startete ich mal ganz uninformiert. Eine studentische Organisation hat für die Ausländer der Uni einen Tagesausflug organisiert. Für 2000 Yen (= 12.65€) sollte es irgendwohin auf die Hauptinsel Honshu in die Präfektur Yamaguchi gehen. Mehr wusste ich nicht wirklich, was auch daran liegt, dass der Hauptinformationskanal Instagram ist, was ich nicht habe. Es war mir auch egal, denn ich wusste ich würde in lustiger Gesellschaft reisen. 

Um halb neun stiegen wir am Campus in drei kleinere Busse der Uni. Es sind diesselben, die schon beim kostenlosen Shuttle-Service am Anfang unterwegs waren, sogar den einen Busfahrer habe ich wiedererkannt (er erinnert mich sehr stark an eine Person des Lehrpersonals der TUM). In jedem Bus saßen ungefähr zwanzig Studentys. Eigentlich ist das eine 2-1-Bestuhlung, aber man kann in den Gang hinein einen vierten Sitz pro Reihe klappen. Das ist bestimmt in Deutschland aus Fluchtwegsgründen nicht bekannt... Ich saß jedenfalls ganz hinten, die bereits bekannte Inderin, Malaysierin, der Mainzer Chemiker und der Franzose bei mir. Außerdem lernte ich einen Israeli und zwei weitere Deutsche kennen. Es war lustig im Bus! Vor der Brücke von Kyushu nach Honshu legten wir eine kurze Rast ein. Ich hatte nicht erwartet, dass die beiden Inseln derart nah sein würden! 

 

Da drüben ist Honshu.

Nach insgesamt knapp drei Stunden kamen wir am Akiyoshidai Quasi-Nationalpark an. Kurz vor der Ankunft holten die Organisatoren obento für alle ab. Es gab pauschal für alle das Gleiche. Es war zwar abgefragt worden, ob man vegetarisch bzw. halal essen würde, aber leider hatte der Zustände dann Vegetarier mit Pescetariern verwechselt, sodass es Fisch gab. Ich hatte sowas geahnt und mein eigenes Essen mitgebracht. Gegessen wurde an einem Aussichtspunkt. Ich stellte sehr überrascht fest, dass es dort keine Bäume gab. Hügel in Japan ohne Bäume?? Ich fand schnell heraus, dass es sich um eine Karstlandschaft handelte. Erinnert mich sehr an Windcave National Park. Nur ohne Bisons. Es war sehr windig und deswegen überraschend kalt, obwohl strahlender Sonnenschein vorherrschte. 

Die Karstlandschaft wirkt für mich sehr ungewohnt in der Region.

Die Aufschrift dieser drei Busse verrät, dass wir von der Kyushu University kommen.

Die Busse fuhren uns dann zum oberen Eingang der Höhle. Der Weg durch die Höhle geht etwa 1.2 km und hat vielfältige Formen auf Vorrat. Am besten gefiel mir die Formation der "tausend Reisfelder", die wunderschöne Spiegelungen hatte. Überhaupt gefiel mir das Wasser sehr gut, das etwa ab der Hälfte des Weges zu finden war. Ich hätte mir ein Stativ und mehr Ruhe zum Fotografieren gewünscht. Und meinen persönlichen Lieblings-Photographie-Spezialisten natürlich. Höhlen-Bedingungen sind eine interessante Herausforderung. Es war sehr süß, wie meine Gruppe gleich feststellte, sie würden die Handys mal sein lassen und sich auf meine Fotos verlassen. Jetzt sitzen sie mir natürlich im Nacken, dass ich sie ihnen bald schicke. Aber so schnell lassen sich 330 RAW-Fotos nicht aussortieren und bearbeiten. 



Moderne Kunst muss es in Höhlen natürlich auch geben.


Die tausend Reisfelder.



'hundred dishes'


Interessant finde ich auch, dass die Höhle das ganze Jahr über angenehme 17 °C herrschen sollen. Umso mehr überrascht mich, dass der Ausgang ein sehr großes offenes Loch ist, durch das der Fluss austritt. Die Stimmung des Waldes, in dem man dann landet, hat mich sehr berührt. Das Licht in den Bäumen war wunderschön anzusehen, nachdem ich in der Dunkelheit unterwegs war (ein schönes Gefühl, endlich die ISO wieder runterstellen zu können). Der plätschernde Fluß in der leicht exotischen Flora vermittelte einen ruhig-romantischen Eindruck, den ich gerne noch länger genoßen hätte. Meine Leute hatte ich eh schon lange verloren. Die wiederhergestellte Internetverbindung verkündete, dass ich um zwei Uhr wieder am Bus sein sollte, was ich dann ziemlich auf den Punkt hinbekam. Andere natürlich nicht, sodass sich die Abfahrt dann doch verzögerte. 

 

 

 



 
Fortsetzung folgt.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Gurke am Stiel

Seattle's best coffee

Experimente - heute im anderen Labor