Meistens fängt ein Post inhaltlich mit dem Aufwachen an, aber technisch ist es ja eher ein "was seit dem letzten Beitrag geschah". Es begab sich, dass ich mich zwar um zehn zum Schlafen legte, aber letztendlich erst um kurz nach drei tatsächlich geschlafen habe. Jetlag lässt wohl grüßen... Die Zeitverschiebung nach München beträgt derzeit sieben Stunden. Praktischerweise konnte ich mit Vancouver telefonieren (16 Stunden Zeitverschiebung, also de facto acht). Das war immerhin eine angenehme Beschäftigung und auch eine Begleitung, mit der ich mich tatsächlich nochmal kurz auf die Straße begab.
Nach dem kurzen Spaziergang und dem Telefonat war es drei Uhr und der erneute Anlauf zu schlafen endlich mit Erfolg gesegnet. Zufällig wachte ich sogar wenige Minuten vor meinem Wecker auf. Um viertel vor sieben. Rosige Aussichten mit dreieinhalb Stunden Schlaf.
Nach dem Checkout holte ich mir ein kleines Frühstück im Kombini, holte Bargeld bei einem anderen Kombini (Lawson nimmt meine Visa-Debitkarte, das tun nicht alle hier...), fuhr zum Hauptbahnhof, stellte meinen Reiserucksack in ein Schließfach und fuhr zu meiner alten Schule.
Dort traf ich mich um halb zehn eine Schulfreundin. Sie ist mein Senpai (id est Schüler aus einer höheren Jahrgangsstufe) im Chor gewesen. Da zufällig gerade Schulfest in unserer alten Schule war, hatten wir beschlossen es und anzusehen. Ohne sie hätte ich weder davon gewusst noch wäre ich reingekommen, weil das nicht öffentlich ist und ich keinen Absolventenschein besitze. Aber so konnte sie mich mitnehmen und wir schlenderten beide durch das Schulgebäude, wo in fast jedem Klassenzimmer eine Klasse oder ein Club eine Ausstellung oder Aktivität vorbereitet hatte. Früher wurde auch Essen und Trinken verkauft, aber wegen Covid ist das dieses Jahr nicht erlaubt. Hier machen sich die Leute mehr Gedanken über Covid und Ansteckungsgefahr. Deswegen durften Besucher auch nur entweder vormittags oder nachmittags kommen. Nach unserem Spaziergang durch die Schule besuchten wir die Vorführung des Seikatai (= "Club für heilige Lieder"), in dem wir beide gesungen hatten. Es war keine unserer drei alten Lehrerinnen da, aber es war schön dem Chor im gewohnten Ambiente zuzuhören. Eines der Stücke, Mozarts "Ave verum corpus" haben wir damals auch gesungen, das war sehr schön wieder zu erleben.
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Die Konzertankündigung vor der Kapelle.
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Der Eingang zum Schulgelände.
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Wir trafen noch eine weitere Ehemalige und nahmen sie kurzerhand mit zum Mittagessen. Wir fuhren nach Kichijouji, wo wir uns ein kleines Soba-Restaurant suchten. Zu den Nudeln gab's Shrimps-Tempura, beides sehr lecker.
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Soba-Nudeln und Tempura.
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Während die spontane Dritte im Bunde nach Hause ging fuhren meine Schulfreundin und ich nach Shinjuku, um dort die Aussichtsplattform des Rathauses zu besuchen. Da diese kostenlos ist, habe ich sie schon häufiger besichtigt und zähle sie zu meinen Lieblingsplätzen in Tokyo. Neuerdings (also eigentlich seit vier Jahren...) steht dort ein Flügel, auf dem jeder spielen darf. Er ist von Yayoi Kusama gestaltet worden und schafft eine schöne Atmosphäre. (und nein, ich habe nicht gespielt, ich kann nichts auswendig)
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Jede Person durfte maximal fünf Minuten spielen, sich aber mehrfach anstellen.
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Ich finde es sieht aus wie Tentakeln.
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Ein bisschen Aussicht. Im Endeffekt sieht man in jede Richtung Häuser soweit das Auge reicht.
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Die Bevölkerungsdichte ist einfach unfassbar hoch.
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Danach suchten wir noch ein Weilchen nach einem Café und landeten bei Tapioka (die Ursprungsvariante von dem, was man in Europa als bubble tea kennt). Der Laden hat mir gut gefallen, man kann die Süße selber wählen.
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Echte Tapioka-Perlen finde ich sehr gut!
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Da ich noch Zeit totschlagen musste fuhr ich nach Asakusa, ein bei Touristen sehr beliebtes Viertel, und lief Richtung Skytree, weil es schon dunkel war und das ganz hübsch aussieht.
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Ein Teil der Läden hatte schon geschlossen, obwohl es gerade mal 19 Uhr war. Das Tor im Hintergrund ist das Kaminarimon, ein sehr bekanntes Wahrzeichen.
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Es waren sehr viele Leute dort unterwegs, Touristen und auch Einheimische - teilweise in Kimono zum Fotoshooting.
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Inzwischen solltet ihr diesen Turm schon kennen. Ich war auch schon mal oben, man hat eine grandiose Aussicht, aber die Preise sind auch grandios.
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Ich weiß nie sicher wann es Kirsch- und wann Pflaumenblüten sind...
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Keine Ahnung was genau das für Laternen sind.
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Schließlich holte ich meinen Rucksack wieder aus dem Schließfach und setzte mich im Hauptbahnhof in das am längsten geöffnete Kaffee, wobei das ein Starbucks war. Der Houjicha Latte war ganz lecker, aber zu süß. (Houji-cha ist gerösteter Grüntee)
Lustigerweise sah ich irgendwann in der Nähe jemanden sitzen, der ein T-Shirt vom Symphonic Mob in München trug. Bevor ich ging sprach ich die beiden jungen Japaner kurz darauf an. Es stellte sich heraus, dass beide mal Deutsch gelernt haben und der mit T-Shirt ein Jahr BWL an der LMU studiert hat und während dieser Zeit mit der Posaune am Symphonic Mob teilgenommen hat. Zufälle gibt's...
Als der Starbucks schloß, wartete ich am Busbahnhof noch eine halbe Stunde. Es ist erstaunlich, wie viele Nachtbusse dort verkehren! Da sind ein Dutzend Bussteige, von denen ab neun Uhr alle zehn bis zwanzig Minuten ein Bus aufbricht. Meiner fuhr um 23:20. Ich habe mir eine etwas bessere Klasse gegönnt (8800Y für die Fahrt, man bedenke aber dass dies gleichzeitig Unterkunft und Transport ist!), mit dem klangvollen Namen "Gran Dreamer". Es ist ein Dreireiher, sprich in einer Reihe sind statt vier nur drei Sitze, sodass jedem Menschen mehr Platz bleibt. Die Stühle lassen sich sehr weit zurückklappen, ich habe das Maximum nicht ausgereizt weil ich dem Menschen hinter mir nicht die Nase brechen wollte. Zwischen den Sitzen sind Vorhänge, sodass man quasi seine eigene kleine Kabine hat. Der Busfahrer quasselte nur am Anfang und am Ende mehr, ansonsten war es sehr ruhig. Das Schaukeln ist freilich nicht ganz so gleichmäßig wie im Flugzeug, dafür war der Sitz bequemer. Ich habe fast die ganzen sieben Stunden geschlafen, nur immer wenn der Busfahrer Pause gemacht hat bin ich einmal kurz aufgewacht. Das war allerdings jede Stunde glaube ich... Insgesamt war es auf jeden Fall eine gute Fahrt, auf der ich mehr geschlafen habe als vergangene Nacht im Hostel (ja gut, war nicht schwer, ich weiß).
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Brausi und ich im Bus.
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Und dann stand ich also morgens um 6:30 in Kyoto am Hauptbahnhof.
学校に入られるの、マジで羨ましい...楽しそう
AntwortenLöschen新宿の黄色のピアノを覚えてる。懐かしいよ!前回ピアノを弾くに根性が足りなかった。次回、この落ち度をするつもりがない!
ニアさん、良く休んでくれ!明日のブログも楽しみにしてる! (ᴗ ͜ʖ ᴗ)
あ、「入れる」は正しいだよね?日本語下手。wwww
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