Philosophische Betrachtungen

Nach meinem Frühstück machte ich mich auf zum Ginkaku-ji, dem Silbernen Pavillon. An dem ist nix silbern. Er wird wohl so genannt weil er stilistisch dem Goldenen Pavillon nachempfunden wurde. Das Gebäude selbst ist nicht so aufsehenerregend, aber die Anlage darum herum ist sehr hübsch. Ich mag diese alten japanischen Gärten einfach sehr gern. Da ich so um neun da war, war es noch relativ ruhig. 

 

 

 




 

Ich finde es spannend, dass Kyoto so sehr von Hügelketten eingegrenzt wird. Man kann sie fast immer sehen. Das war wohl schon immer eine natürliche Begrenzung, weshalb die Stadt eine angenehme Größe hat. Es kommt mir vor als würden mehr Leute hier radfahren als in Tokyo, was angesichts der unterschiedlichen Dimensionen Sinn ergibt. Jedenfalls geht ein Teil des Tempelgartens mal wieder etwas bergauf, was immer zu hübscher Aussicht führt. 

 



 

 

Nach dem Tempelbesuch ging ich wieder die Einkaufsstraße hinunter, wobei ich zu Beginn eine Art Windbeutel mit Matcha-Cremefüllung verspeiste. Die Souvenirläden ignorierte ich; mit meinem Rucksack kann ich ohnehin nicht wirklich etwas transportieren. Naja, dann kam halt der Sumikko-Gurashi-Laden, und da war ich dann drin und mein Rucksack doch etwas schwerer (dafür der virtuelle Geldbeutel leichter). 

 


 

 


 

 

Es gibt einen berühmten Spazierweg, den Philosophen-Weg, der am Ginkaku-ji endet. Irgendein berühmter Mensch hatte dort wohl seinen Arbeitsweg. Hochsaison ist sicherlich zur Kirschblütenzeit, denn der Großteil der Bäume, die dort den Flussweg säumen, sind Kirschbäume. So war jetzt quasi niemand dort unterwegs, also herrschte wunderbare Ruhe. Ein paar Cafés, Handwerksläden und viele Schreine säumen den Weg. An einer Brücke traf ich einen älteren Herrn (auf japanisch würde ich sagen ein o-jii-san, also ein Großvater), der kleine Blumenboote bastelte und an die Vorbeikommenden verschenkte. Ich plauderte eine Weile mit ihm und er zeigte mir, wie man die Boote bastelt, die man dann auf den Fluss fallen lässt. Es bringt Glück, wenn es sich nicht umdreht. Falls es doch passiert, muss man wohl solange Boote fallen lassen bis eines richtig herum landet. Praktisch :)

 





 

Auf dem weiteren Weg hob ich bei einer Post Geld ab, wobei die Gebühr hier sogar teurer war als im Konbini (220 statt 110Y). Hm, früher war ich immer bei der Post, aber Dinge ändern sich wohl mit der Zeit…

 


 

 

Im Hotel holte ich mir meinen Rucksack aus dem Spind und aß entspannt zwei Onigiri in der Lobby, bevor ich zum Bahnhof aufbrach. Praktischerweise gab es einen Vorortzug, der direkt von meiner Station (Omiya) nach Osaka fährt. Bis zu meinem Ziel in Südosaka brauchte ich so zwar anderthalb Stunden (statt einer knappen), aber es kostete mich auch nur wenige Euro. Man konnte gut beobachten dass Kyoto quasi nahtlos in Osaka übergeht.

Bevor es nach Osaka geht noch ein kurzes Fazit zu Kyoto: Es ist eine sehr schöne Stadt, die Dimensionen sind sehr angenehm (vergleichbar mit München). Die alten Tempel und Schreine liegen oft an den Rändern, nahe der Hügelketten, das ist sehr toll. Man kann wohl auch ganz gut wandern gehen dort, das würde ich gerne mal machen. Es sind viele Sachen hier, die man draußen anschaut. Ich glaube das nächste Mal würde ich mich auch vorher mit Tagestickets des Nahverkehrs beschäftigen, das habe ich noch nicht ganz überrissen wo die jeweils gelten (in Tokyo kann man das vergessen, da hat jeder Anbieter seinen eigenen und man will aber gerne alle nutzen). Jedenfalls lohnt es sich sicherlich die Stadt hier in verschiedenen Jahreszeiten anzuschauen, ich komme gerne wieder. Und die vielen Matcha-Süßigkeiten sind toll!

 

 

Dann war ich also in Osaka. Hier besuche ich eine Freundin, die meine Familie in München kennengelernt hat, als sie zum Deutschstudium dort war. Sie hat mich sogar zum Übernachten eingeladen, was in Japan noch deutlich weniger selbstverständlich ist als in Deutschland, weil die meisten Wohnungen wenig Platz haben. Für mich ist es auch immer spannend zu sehen, wie die Menschen hier leben, wie die Wohnungen eingerichtet sind, etc.

 

Am späten Nachmittag fuhren wir in die Innenstadt, erst zu einem Park, in dem gerade ein kleines Oktoberfest abgehalten wurde. Sowas finde ich immer sehr lustig. Das Bier ist soooo teuer! Eine Maß für ca. zwanzig Euro!!

 


 

 

Danach ging es in den bekanntesten Distrikt, nach Namba. Hier suchten wir uns ein Restaurant, das Okonomiyaki verkauft, das ist eine Art Pfannkuchen mit Weißkohl. Und natürlich immer mit Fleisch oder Fisch. Ich habe eine Mix-Variante genommen, bei der Schwein, Tintenfisch und Shrimps dabei waren - und es war ein Gedicht! Das war der beste Tintenfisch den ich je aß. An all jene, die behaupten Tintenfisch sei wie Radiergummi: Nein. Dann war er nur schlecht zubereitet. Soweit ich weiß hängt das sehr stark mit der Frische zusammen. Nachdem Osaka direkt am Meer liegt, ist das natürlich einfacher zu erreichen. Allgemein war das Okonomiyaki einfach perfekt. Der Laden war auch sehenswert, ein kleines Restaurant im Keller, mit vielleicht einem Dutzend Plätzen. Das Essen wurde vor unseren Augen zubereitet. Es gab grundsätzlich nur Okonomiyaki oder Yakisoba (gebratene Nudeln), jeweils mit unterschiedlichen Toppings. Ich kanns sehr empfehlen!

 

 



 

Nach dem Essen waren wir sehr sehr satt und gingen noch etwas spazieren. Es ist ein sehr moderner, gut besuchter Shoppingdistrikt. Sehr bunt, wie man es sich halt so vorstellt.

 



 

 

 

Kommentare

  1. Hey, und dann beschweren sich hier die Leute, dass die Mass Bier auf der Wiesn dieses Jahr 14,90 € kostet... 😂 🍻

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  2. In den Pokémon-Spielen Gold und Silver finden sich zwei Tempel, die zwei göttlichen Pokémon gewidmet sind. In dem Spiel ist in einer Stadt (die Kyoto kanonisch sehr ähnlich liegt) ein Bronze-Pavillion und ein Zinn-Pavillion anzutreffen. Ein ganz netter Zufall :)

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