Jetzt wird's offiziell...
Frühmorgens schloss ich erst einmal eine so genannte Fahrradversicherung ab, die wohl vor allem die Schmerzensgeldforderungen von möglichen Unfällen abdecken soll. Nachdem die hier häufiger in Millionenhöhe sind, hat die Stadt Fukuoka solch eine Versicherung für alle Fahrradfahrys verpflichtend gemacht, genauso wie eine Registrierung jedes Fahrrads zum Diebstahlschutz.
Um zehn fand eine Veranstaltung zur Bürokratiebewältigung statt. In einem Seminarraum wurden dazu etwa vierzig Gaststudentys versammelt und ihnen auf Englisch und Japanisch erläutert, wie die Anmeldung am Amt vonstatten geht. Simplerweise unterschreibt man hier einfach eine Vollmacht und lässt andere das für einen erledigen. Sehr sehr angenehm! Nur dass ich dafür meine Residence Card aus der Hand geben muss schmeckt mir nicht so sehr, offiziell darf ich das gar nicht. Außerdem wurde uns erklärt, warum man ein japanisches Bankkonto benötigen könnte und wie man ein solches erhält. Ich möchte zwar nicht arbeiten, aber mein Stipendium der japanischen Regierung würde ich schon gerne ausgezahlt bekommen :)
Die Veranstaltung war kurz und wenig spannend, aber sie führte mich zu einem neuen sozialen Kontakt, der mir sehr gut gefällt. Ich hatte mich mehr oder weniger irgendwohin zu einer asiatisch aussehenden Frau gesetzt. Irgendwie kamen wir gut ins Gespräch, sie ist aus Malaysia und studiert Recht. Wir waren die letzten, die den Raum verließen, weil wir uns dort festgequatscht hatten. Ich habe sie dann gefragt, ob wir am Nachmittag zusammen zum Bahnhof fahren wollen, um unsere Inkan machen zu lassen. So schnell und zufällig kann man also eine Verabredung bekommen.
Wie verabredet suchten wir erst den Laden, in dem man Inkans anfertigen lassen kann. Das sind persönliche Stempel, die hier etwa die Funktion von Unterschriften haben. Wir werden das benötigen, um ein Bankkonto eröffnen zu können. Normalerweise erhält man den Inkan nach 30-60 Minuten, aber die arme Frau war wohl komplett von internationalen Studentys überrannt worden, sodass wir die Inkans morgen abholen dürfen. Die Malaysierin spricht nur wenige Brocken Japanisch und war ganz glücklich mich dabei zu haben, nur dass ich mehrfach versuchte auf Deutsch hin zu übersetzen. Sprachen switchen ist gar nicht so einfach.
Wir zogen weiter durch den Muji, wo ich eine Korbtasche für meine zu waschende Wäsche erwarb (sie hat einfach die perfekten Maße um in meinem Schrank zu stehen!). Dann zeigte ich ihr den Cosmos, da sie dort ein paar Dinge kaufen wollte. Ich deckte mich auch mit weiteren Lebensmitteln ein, und erwarb Waschmittel. Dann war noch etwas Zeit bis uns der Shuttle-Bus der Uni zurückbringen würde, also ließen wir uns in der Mall in einem Mister Donut-Laden nieder.
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| Ja, Halloween rückt näher! |
Insgesamt haben wir uns prächtig unterhalten, die Neugier ist auf beiden Seiten groß. Ich kann mir gut vorstellen, dass das eine längerfristige Bekanntschaft wird.
Zuhause briet ich mir Udon-Nudeln an. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass eine Ein-Personen-Packung vorgekochte Udon-Nudeln nur 20 Cent kosten würde. Klar, das ist noch nicht das vollständige Gericht, ich kombinierte es mit einer halben Karotte (ja gut, die zwei Karotten haben über einen Euro gekostet...), ein paar Enoki-Pilzen und ein paar Soja-Sprossen (beides spottbillig). Würzung kam von Miso-Paste, Sojasauce und Sesam. Lecker!
Ich recherchierte eine Weile und kaufte schließlich eine Aufbewahrungskonstruktion, die ich in meinen Schrank hängen kann. Ich habe seit vorgestern in diversen Läden nach so etwas Ausschau gehalten und sogar Verkäufer gefragt, aber so etwas nicht gefunden, also wurde es jetzt eine Amazon-Bestellung. Sollte übermorgen ankommen. Mal sehen. Mir ist aufgefallen dass ich vergessen habe bisher den Briefkasten zu leeren und den Zettel mit dem Code nicht mehr wiederfinde. Die Empfangsdame muss auch glauben ich wäre ein kompletter Schussel.
Abends ging ich mal wieder in die Coffee Lounge, wo ich mich die meiste Zeit mit einem Franzosen unterhielt. Er sagt selber er sei verwundert wie wenig Englisch seine Landesgenossen sprechen, aber mit ihm konnte man gut kommunizieren. Zum Schluss setzte sich noch ein Japaner zu uns, bei dem sich dann herausstellte, dass er hier im Unichor singt. Jetzt wurde ich dort zur Probe eingeladen, mal sehen. Eigentlich hatte ich vor nur Karate zu machen, aber fest ist das natürlich auch noch nicht, solange ich nicht beim Probetraining war. Jetzt habe ich auf jeden Fall einen Line-Kontakt in den Chor, sehr praktisch. (Line ist das japanische WhatsApp, mit ein paar mehr Funktionen)
Insgesamt haben mir die sozialen Kontakte heute sehr gut getaugt, ich hoffe ich kann mir etwas davon warmhalten...
Ich war schon fast im Bett, da tauchte um elf Uhr doch tatsächlich noch meine chinesische Mitbewohnerin auf! Keine Ahnung warum sie außerhalb der Öffnungszeiten hier anreiste. Sie kann kein Wort Japanisch und ich habe den Eindruck, dass sie auch nur die Hälfte von dem versteht, was ich ihr auf Englisch erzähle... Ich habe einen kleinen Kulturschock erlitten, weil sie offenbar noch nie ein Fenster zum Lüften verwendet hat und auch dann die Klimaanlage auf 26 °C einschaltet wenn draußen schon nur noch 25 °C sind. Sie hat mich auch allen Ernstes gefragt warum man Strom sparen sollte. Uff. Das muss ich erst einmal verdauen.

Was kostet denn eine Fahrradversicherung?
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