Ich bin wieder vollständig
Die erste Nacht im eigenen Bett habe ich sehr gut verbracht. Es ist ein Futon-Bett, also nur eine dünne Matratze auf einer harten Unterlage, das kenne ich bereits gut und bin es gewöhnt. Inzwischen habe ich allerdings mehrere europäisch aussehende Menschen getroffen, die sich erst einmal eine zusätzliche neue Matratze besorgt haben.
![]() |
| Mein Wohnheim von außen. |
Zum Frühstück aß ich Joghurt mit Kinako, einem Pulver aus gemahlenen Sojabohnen, das mich an mein Zuhause in Tokyo erinnert. Okaasan hat mir immer so viel gutes Essen bereitet... <3
![]() |
| Joghurt mit Kinako (aus einer geliehenen Tasse mit meinem Reiselöffel-gabel-messer). |
Vormittags unternahm ich erst einmal einen Ausflug zu einem Secondhand-Laden. Genau genommen fand ich auf meinem Weg noch einen weiteren, den ich erst besuchte. Der Laden war sehr ordentlich und die Sachen gut sortiert. Es gab viel Auswahl beim Geschirr, sodass ich eine schöne Schale und einen guten Teller fand. Außerdem einen Teebecher, der war meine teuerste Anschaffung für etwa 8€. Zusätzlich nahm ich ein Handtuch mit, von dem ich hoffte es als Stuhlüberzug verwenden zu können. Letztendlich ist es eigentlich zu schmal, es ist echt schwer ohne Maßband sowas einzuschätzen.
Im zweiten Laden ging es deutlich chaotischer zu, er war auch etwas kleiner. Dafür hatte er eine größere Auswahl an Fahrrädern, von denen ich mir ein eines kaufte. Es ist ein 27-Zoll-Rad mit sieben Gängen für 120€. Ich muss etwas freundlicher zu der Gangschaltung sein als zuhause, sonst beschwert die sich immer so laut, aber ansonsten ist es gut. Es hat auch einen Korb vorne und Reflektoren, nur ein Licht fehlt mir noch.
Es fühlt sich wunderbar an, jetzt frei durch die Gegend radeln zu können! Erst einmal durch ein paar Reisfelder, hin zu einem 100-Yen-Shop. Hier kaufte ich noch ein paar kleinere Dinge zum Einrichten, zum Beispiel Haken und eine kleinere Schüssel für Reis oder Miso-Suppe.
Ich war pünktlich wieder daheim und bereitete mein Mittagessen zu. Ich hatte zwar gestern schon Tofu gekauft, aber unten am Eingang wurden kostenlos ein paar Lebensmittel verteilt, die ein kürzeres Haltbarkeitsdatum haben, sodass ich jetzt noch einen zweiten Tofu-Block habe, von dem ich mir die Hälfte zum Mittagessen angebraten habe. Eine Pfanne und einen Topf haben wir nämlich.
![]() |
| Mittagessen von meinem neuen Geschirr. Die Stäbchen hatte ich in Kyoto im Sumikko-Gurashi-Shop erworben. Das rote ist übrigens eine Umeboshi, eine salzig eingelegte Pflaume. |
Ab zwei Uhr saß ich dann in freudiger Erwartung in meinem Zimmer, bis um kurz vor drei ein Anruf von unten kam. Ich hatte die Koffer für 14-16 Uhr bestellt, sie waren sehr pünktlich, alles hat wunderbar funktioniert. Dass keiner außer mir in der Wohnung war ist sehr glücklich, weil in meinem Zimmer nicht genug Bodenfläche ist um den Koffer komplett aufzuklappen. So konnte ich den Küchenbereich noch mitverwenden zum Auspacken und sortieren. Man könnte meinen ich hätte den Nachmittag dann mit Einrichten verbracht, aber Minecraft zocken war erstmal wichtiger :)
Abends kochte ich mir dann ein simples Curry mit vorgefertigten Currywürfeln (wie Brühpulver bei uns). Leider ist das nicht ganz meine Sorte, sie ist zu fischig im Abgang. Naja, Pech gehabt, die anderen sieben Portionen werde ich wohl auch noch essen müssen. Hat jemand Ideen wie man das übertünchen könnte?
Man könnte meinen, ich hätte DANN endlich weiter ausgepackt, aber nein, ich ging mal wieder in die Coffee Lounge. Da konnte ich gleich dem Hamburger seine Tasse zurückgeben, und wurde dann sehr gezielt von zwei chinesischen und einer taiwanesischen Studentin angesprochen und über alles mögliche ausgequetscht. Wir erläuterten die Frage warum wohl mein Englisch so gut sei (ich bin der Meinung es liegt am Frontalunterricht, dass Japaner und Chinesen sich da eher schwer tun), ob es in Deutschland wirklich ein Gesetz gibt welches macht dass alle Biere gleich schmecken (ich konterte damit dass beim Kaffee und Grüntee letztendlich auch ein Reinheitsgebot gilt und sie trotzdem unterschiedlich schmecken) und ob man sich vorstellen könnte in Japan dauerhaft zu leben. Es scheint so, dass die meisten Chinesen (und auch Koreaner) wohl deshalb hier sind, weil ihnen der Druck in China zu groß ist, auf eine der angesehenen 39 Unis zu kommen. Wer dort nicht reinkommt, gilt als gescheitert, womit sie die hohe Selbstmordrate von jungen Erwachsenen erklären. Sehr interessantes Gespräch! Auch sprach eine von einer unsichtbaren Mauer um China, die sie so überwinden möchte, und dass sie schauen mag, wie die Welt draußen wohl wirklich ist. Dass alle Nachrichten und Informationen in China so wirklich der Wahrheit entsprechen zweifeln sie alle deutlich an.
Um zehn Uhr wird die Lounge beendet, weil der Mehrzweckraum um diese Zeit immer verlassen werden muss. Ab zehn herrscht hier Nachtruhe. Nun gut, oben warteten ja noch meine Koffer auf mich und der Blog. Letztendlich war es dann doch wieder Mitternacht, bis ich zu Bett ging.
[und ja, ich poste noch Bilder vom Wohnheim]



Kommentare
Kommentar veröffentlichen