Am Anfang war Tokyo

32 °C bei 90% Luftfeuchtigkeit - welch eine Begrüßung! Beim Umstieg am Bahnsteig trifft mich die Hitze wie ein Schlag, es fühlt sich an als stünde meine Jeans in Flammen, die mein Körper mit Schweißtropfen zu löschen versuchte. Uff. Auf dem Papier (alias der Wettervorhersage) hatte das noch nicht sooo schlimm ausgesehen. Aber ich hatte die Realität und meine nicht vorhandene Gewöhnung unterschätzt. So manches überraschte mich an diesem Tag - oder besser gesagt den irgendwie fusionierten zwei Tagen. 

Der Lufthansa-Direktflug von München nach Tokyo Haneda war ein Traum. Ich hatte Respekt vor den angekündigten zwölfeinhalb Stunden Flug (Politik lässt grüßen, früher waren das noch eher zehn), aber letztendlich verging die Zeit wie im... ähem... Fluge... was solls. Ich zwang mich sechs Stunden zur Ruhe und simulierte die Nacht früher als mein Biorhythmus es erwartete. Die Ruhe und Dunkelheit im Flugzeug halfen gut dabei, sodass ich tatsächlich einige Stunden Schlaf abbekam und ansonsten kraftsparend döste. Das Resultat war, dass ich mich ausnahmsweise mal nicht nach einem Langstreckenflug wie ein Zombie fühlte. Das war die verpassten Filme wert!

Der erste Blick auf Tokyo, vor allem auf den Skytree.

 

Die Einreise-, Gepäck- und Zollgespräche absolvierte ich vollständig auf Japanisch, was mich selber irgendwie sehr erstaunte. Da scheint doch was hängen geblieben zu sein von dem JLPT N2, dass ich auf dem Papier besitze. Noch stolzer bin ich jedoch auf die logistische Leistung danach: Meinen Handgepäcksrucksack gegen einen größeren Reiserucksack aus einem der beiden Koffer tauschen, ein paar Dinge umpacken, mich umziehen, und dann die zwei gerade eben erst erhaltenen Koffer wieder aufgeben. Und zwar bei einer Spedition, die mir das Gepäck in acht Tagen nachmittags im Wohnheim in Fukuoka zustellen wird. Diese entspannende Lösung wäre mir definitiv noch mehr als die 35€ wert gewesen. 

Leichten Gemüts und Gepäcks ging es dann zu einem ersten Einkauf in einen Bic-Camera-Shop, der mir neben zwei ersten Snacks eine Touristen-SIM-Karte bescherte (7GB für 21 Tage für knapp 20€). Damit kann das Reisen endlich losgehen. 

Längliche Matcha-Kekse und Kartoffelsticks.

Heute besuchte ich erst einmal eine deutsche Freundin, die gerade ihr Auslandsjahr in Yokohama beginnt. Es war sehr spannend ihre kleine Wohnung zu sehen, die inmitten wunderbarer kleiner Gassen liegt. Mir war die Existenz dieser typischen Wohngegenden mit ihren quasi autofreien Straßen fast schon entfallen. Es war verlockend noch länger dort spazieren zu gehen und Fotos zu schießen, aber die Hitze und der schwere Rucksack hielten mich dann doch ab. Stattdessen genoß ich lieber buntes Essen und Trinken sowie den Austausch mit besagter Freundin. Ich war erstaunlich wach, nur eine halbe Stunde Mittagsschlaf auf dem Sofa musste dann doch sein. 

Ein kleines Begrüßungserdbeben gab's übrigens auch! Mit Stärke 3.7 und Ursprung in Chiba waren wir uns erst nicht ganz sicher ob es nicht ein heftiger Windstoß oder vielleicht ein vorbeifahrender Laster war, aber ein Blick ins Internet brachte Klarheit. Immer wieder spannend hier.

Gegen Abend wollte ich eigentlich den Weg Richtung Hostel antreten, aber heftiges Gewitter hielt mich noch eine Weile davon ab. In vielen Regionen in Japan gibt es momentan Probleme mit Starkregen und Überschwemmungen. Ich hatte Glück dass der Regen irgendwann nachließ und ich trockenen Fußes zu einer funktionierenden Bahn spazieren konnte. Was mich sehr irritiert: Die Sonne geht hier schon vor sechs Uhr unter! Mir kam es vor als müsse es schon viel später am Abend sein. 

Der Weg nach Minami-senju, wo mein Hostel liegt, betrug etwa anderthalb Stunden mit vier verschiedenen Zügen. Die waren zwar klimatisiert, aber die kurzen Wartezeiten auf den Bahnsteigen waren immer noch unfassbar schweißtreibend. Im Sitzen kam dann auch die Müdigkeit, ich hatte fast Sorge einzuschlafen anstatt auszusteigen. 

Am Bahnhof Minami-senju.


Das gebuchte Hostel gefällt mir gut, es ist sauber, ordentlich und bisher ruhig. Das Doppelzimmer, das ich gebucht habe, ist ungefähr so groß wie das Bett darin. Ich find's witzig :)

Mein Doppelzimmer im &and Hostel Minamisenju.

Zum Abendessen holte ich mir noch rasch um die Ecke im Kombini zwei O-nigiri (geformte Reisklopse würd' ich es nennen), genau genommen meine zwei Lieblingssorten Umeboshi und Sekihan. Diese saftig salzig-sauren Aromen von Umeboshi (eingelegte Pflaumen) habe ich sehr vermisst, ebenso den festen Klebreis mit Bohnen darin... Selten bin ich für 1.65€ so glücklich geworden. Insgesamt muss man festhalten, dass der Yen gerade sehr günstig für uns steht, sehr angenehm. 

Links Umeboshi, rechts Sekihan - beide um 20Y reduziert weil sie heute ablaufen.



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