Und es sind wirklich Würfel!!
[Mittwoch]
Ich weiß gar nicht, was cooler ist, die Würfel an sich, oder die Tatsache, dass Menschen Maschinen erfunden haben, mit denen man sie anschauen kann... Aber der Reihe nach.
Der Morgen begann damit, dass Amazon schon um zwanzig nach acht ein Paket für mich brachte. Ein Topf, eine Powerbank und Staubsaugerbeutel. Ohne das Zeug groß anzuschauen ging ich ins Labor. Wir bereiteten heute eine Probe zur Messung der katalytischen Aktivität in der Reduktion von Kohlenstoffdioxid vor. Dazu muss der Katalysator, also meine Kupfer-Nanowürfel, auf eine sogenannte Gas Diffusion Layer gesprayt werden. Die Erklärung dazu war ziemlich langwierig, langsam nervt es mich, dass es so schwer ist, dem chinesischen PhD Dinge zu erklären. Der Post-Doc ist dazu übergangen, alles zusätzlich mit Bildern und Kanji zu erklären. Letztere können die meisten Chinesen ganz gut lesen, weil die Japaner ihre Kanji ursprünglich mal von den Chinesen geklaut haben. Jedenfalls dauert diese Erklärungsprozedur etwas. Man merkt auch, dass er jeden Schritt 1:1 so macht wie ich, selbst wenn ich nur etwas spaßeshalber ausprobiere, weil er nicht versteht, warum ich das tue.
Nach dem Mittagessen (heute probierte ich das andere vegetarische Curry, das von gestern war besser, aber ich kann ja wohl kaum jeden Tag das Gleiche essen...) ging ich dann selber ans Spraykunstwerk. Eigentlich ganz lustig. Es ist schon schön, was ich hier alles an Techniken gezeigt bekomme. Und blankes Kupfer sieht einfach gut aus. Nebenbei maßen wir nochmal das gestern verhauene PXRD. Ich hab allerdings noch nicht rausgefunden mit welchem Programm die hier die XRD-Daten anschauen, also hab ich sie noch nicht ausgewertet.
Nachmittags war irgendwo ein Vortrag, zu dem sehr viele hingingen, aber uns Nicht-Japanische ließ man lieber im Büro/Labor. Mir wurde aufgetragen, dem chinesischen PhD bei Fragen zu helfen. Irgendwas läuft hier mächtig falsch in der Hierarchie... Das macht mich natürlich stolz, wenn ich da offenbar nützlicher bin, aber gleichzeitig macht mich das generell nervös. Ich bin mir sehr sicher, dass der Post-Doc schon öfter meineswegen "sein Gesicht verloren hat", wenn ich mal wieder seine suchenden halb-englischen Sätze vervollständigt habe, ungefragt Dinge für den PhD übersetzt und erklärt habe und so weiter. Ich weiß nicht, inwieweit meine Selbständigkeit, Erklärfreudigkeit und Verwendung meiner besseren Sprachkenntnisse angemessen sind. Nun, damit müssen sie leben, wenn sie Ausländer ins Labor holen. Ich persönlich habe den Eindruck, gut mit dem Post-Doc klar zu kommen, ich hoffe, er sieht das genauso.
Nachdem der Co-Prof fertig mit seiner Vorlesung war, fuhren wir zu viert mit dem Auto zum International Institute for Carbon-Neutral Energy Research, kurz I²CNER, das ganz im Osten es Campus liegt, gar nicht weit von meinem Wohnheim. Dort ist das bessere SEM. Ich hab nur einen Saal gesehen, aber er war voller teurer Geräte, ich glaube die sind allgemein nicht so schlecht ausgestattet. Ich darf außerhalb unseres Gebäudes eh nicht messen, und der PhD hat die allgemeine Sicherheitsunterweisung noch nicht erhalten, also maß der Co-Prof ohne große Erklärungen für uns. Wir konnten uns zurücklehnen und genießen. Ich kann euch gar nicht sagen, wie wunderbar das Messen war! Ich merkte irgendwann selber, dass ich mit irgendwas zwischen offenem Mund und breitem Grinsen da saß, und auch die beiden Japaner waren sehr amüsiert über meine Begeisterung. Ich finde das Auftreten von winzigen Würfeln nicht sehr natürlich und deshalb als Struktur schon sehr spannend, dann die Tatsache, dass ich sie synthetisiert habe, dass es so einfach war, und vor allem, dass man sie anschauen kann. Ich habe die Kantenlänge nicht genau bestimmt, aber es sieht nach 50-80 Nanometern aus. Ist das nicht krass??
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| Leider weiß niemand so genau, was das für Fäden sind. |
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| Wahrscheinlich kann man am Fokus und der Auflösung noch arbeiten, aber das hier ist ja nur eine Übung. |
Unser Ausflug führte dazu, dass ich sehr knapp zum Karate kam, aber damit kann ich gut leben. Ich war mir nicht sicher, wie Zu-Spät-Kommen hier funktioniert, aber ich konnte noch zwei andere Leute beobachten, die nach mir kamen, und zwischen abknieender Verbeugung und gar keiner Geste kann ich mir wohl frei aussuchen, wie schuldig ich mich fühlen möchte. Das Training war gut, ich habe mir einen Japaner geschnappt und zumindest mal seinen Namen in Erfahrung gebracht. Er im Laufe des Abends ein bisschen aufgetaut (ich bin versucht zu schreiben "dekomprimiert/entpackt", siehe vorherige Posts), und hat mir hilfreiches Feedback gegeben. Außerdem hab ich mir den großen Zeh gestoßen, zwei Blasen an den Füßen geholt und die Ellenbogen aufgeschrammt. Gutes Training.
... ich finde die Würfel wirklich grandios.


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